Ehrenmal Parkstrasse, Lüdenscheid, Der Erwachende
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Fotos: Schwarze Katze, 18.03.15








































































































Der Erwachende Jüngling
Schwarze Katze, 08.05.16


Pro Patria - Für das Vaterland
Das Ehrenmal in Lüdenscheid befindet sich an der Parkstrasse gegenüber vom Mercure Hotel. Der Kriegerverein der Stadt und Landgemeinde Lüdenscheid stellte 1922 einen Antrag zur Errichtung eines Ehrenmals für die toten Soldaten des I. Weltkriegs aus Lüdenscheid. Den ersten Preis des 1927 ausgeschriebenen Wettbewerbs erhielt der Entwurf "Pro Patria" des Architekten Fritz Fuss und des Bildhauers Willy Meller. 1933 wurde unter Nazi-Beteiligung die Planung abgeschlossen und statt eines Gefallenen ein Erwachender in Skulpturform geplant. Angelehnt war der Erwachende Jüngling an den von der SA verwendeten Nazi-Slogan "Deutschland erwache! Juda verrecke!". Der Bildhauer Willy Meller, der den Erwachenden Jüngling schuf, erstellte für die Nazis auch an anderen Orten Plastiken. So an mehreren NS-Ordensburgen wie Vogelsang an der Eifel und dem Olympiastadium in Berlin, was den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken diente.

NS-Größenwahn
Dadurch, dass die Figur erwacht, die Faust reckt und sich aufrichtet, symbolisierten die Nazis, dass sich das Deutsche Reich nach dem verlorenen I. Weltkrieg wieder zu neuer Grösse aufrichtet. Genau wie der Größenwahn der Nationalsozialisten ist das überlebensgrosse Denkmal pompös gestaltet worden. Viele Lüdenscheider besuchen nach wie vor den Ort der Stadtparkterrassen, um von dort aus einen Blick über die ganze Stadt zu haben und der gefallenen Soldaten zu gedenken.

Spenden für nationalistisches Denkmal
Die Lüdenscheider spendeten fleissig für das militaristische Denkmal, was auch daran lag, dass die Nazis den Druck auf die Spender erhöhten, indem sie die Spenderlisten veröffentlichten. Der Lüdenscheider Stadtbaurat Finkbeiner lobte das Denkmal in nationalistischer Manier als Sinnbild eines neu erstandenen, wehrhaften Vaterlandes: "Ein glücklicher Zufall wollte es, dass einen Tag nach der Verkündigung des neuen Wehrgesetzes der herrliche Bronzekörper in der Sonne leuchtete, aus langer Erniedrigung sich erhebend, die Faust zum Widerstande ballend, recht ein Sinnbild des neu erstandenen, wehrhaften Vaterlandes."

Zeit dies zu ändern
Nach dem II. Weltkrieg fanden am Volkstrauertag weiterhin Gedenkveranstaltungen am von den Nazis erbauten Ehrenmal Parkstrasse statt. Dagegen gibt es seit Jahren Kritik aus der Friedensbewegung. Der VDK (Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge) als Mitveranstalter der alljährlichen Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag hält neben der Stadt Lüdenscheid daran fest das Gedenken am Erwachenden Jüngling durchzuführen. Zeit dies zu ändern. Insbesondere, da der VDK folgende Leitsätze für seine Arbeit ausgewählt hat: "Arbeit für den Frieden" und "Versöhnung über den Gräbern".