Interview über Mosambik
Schwarze Katze Radiosendung

Schwarze Katze: Guten Abend liebe Hörerinnen und Hörer. Ihr hört eine Sendung der Radiogruppe Schwarze Katze. Heute Abend geht's um das Thema Mosambik. In Altena gibt's einen Verein der kümmert sich drum. Wir interviewen jetzt zwei Aktive vom Partnerschaftsprojekt Ancuabe Mosambik e.V.

Schwarze Katze: Wo liegt Mosambik?
Mosambik liegt im südlichen Afrika. Es ist umgeben von Tansania und Malawi im Norden, Simbabwe und Sambia im Westen, im Süden grenzt es an die Republick Südafrika und im Osten hat es eine lange Küste zum Indischen Ozean. Mosambik ist ungefähr 800.000 Quadratkilometer groß. Das ist etwas doppelt so groß wie die Bundesrepublik. Mosambik hat etwa 17 Mio. Einwohner.

Schwarze Katze: Wie sieht denn die politische und wirtschaftliche Situation von Mosambik aus?
Mosambik ist 500 Jahre lang eine portugiesische Kolonie gewesen. Im Jahr 1962 ist die FRELIMO gegründet worden - das heißt "Die Befreiungsorganisation" - und nicht lange danach stellte sich heraus, dass es leider mit friedlichen Mitteln nicht zu schaffen war, die Unabhängigkeit zu erreichen, und so gab es einen etwa 10 Jahre währenden Unabhängigkeitskrieg, der dann mit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1975 endete.

Nur dann war's leider immer noch nicht gut, denn dass Mosambik nun ein unabhängiger Staat - und zwar eine "Volksrepublik" - war, das passte natürlich den weißen Nachbarn in Südafrika nicht, und so kam es zu einem Destabilisierungskrieg, der sich fast über 15 Jahre hinzog. In dem Krieg wurde die RENAMO, also die mosambikanische "Widerstandsbewegung", von Südafrika oder von gewissen Kreisen in Südafrika und von den Geheimdiensten verschiedener westlicher Länder unterstützt. Der Krieg wurde mit großer Grausamkeit geführt und fand erst 1992 bis 94 ein Ende. Dann wurde ein Friedensvertrag zwischen den beiden verfeindeten Parteien geschlossen und seitdem bemüht man sich um Aussöhnung. Es hat zweimal freie Wahlen gegeben. Es gibt also jetzt dort ein Mehrparteiensystem. Aber leider ist die wirtschaftliche Lage immer noch desolat, denn zunächst war schon einmal, nachdem die Portugiesen abgezogen waren, die gesamte Infrastruktur zerstört. Die FRELIMO hat dann versucht, das Land wieder aufzubauen, und zwar in erster Linie das Erziehungswesen, also Schulen geschaffen, und das Gesundheitswesen.

Durch den Destabilisierungskrieg ist dann im Grunde alles wieder kaputtgemacht worden und die Situation wurde immer schlimmer und noch heute gehört Mosambik zu den ärmsten Ländern der Welt, ist hochverschuldet und braucht unsere Hilfe.

Schwarze Katze: Eine Folge des Bürgerkriegs sind die Minen.
Das Minenproblem in Mosambik ist sehr groß. Es gibt noch viele Minen, die noch immer versteckt liegen und eine große Gefährdung darstellen. Unser Verein hat sich stark gemacht in Aktionen gegen Landminen, wir haben Unterschriften gesammelt, wir hatten eine Aktion, in der wir auch einzelne Schuhe gesammelt haben als Zeichen dafür, dass Minenopfer oft nur noch ein Bein haben. Wir haben auch dem damaligen Verteidigungsminister Volker Rühe einen solchen Schuh mit einem entsprechenden Anschreiben zugeschickt. Der ist leider zurückgekommen - er hat die Annahme verweigert. Aber wie gesagt, das ist so ein politisches Anliegen, wo unser Verein sich mit befasst.

Schwarze Katze: In Mosambik gibt es ja auch Überschwemmungen. Was haben diese mit den Minen zu tun?
Durch die Überschwemmungen sind natürlich die Minen, die versteckt oder vergraben waren, hochgespült und ganz anders verteilt worden, so dass man jetzt überhaupt nicht mehr zurechtkommt, wo eventuell Minen sein könnten oder wo nicht. Das ist eines der großen Minenprobleme. Ein anderes ist das, dass auch bei dem Minenproblem das schwächste Glied die Kinder sind, die also teilweise Minen finden und sie für Spielzeug halten. Es gibt auch tatsächlich Minenhersteller, die Minen tatsächlich so ausrichten, dass sie wie Kinderspielzeug aussehen und dass sie dann eben sterben. Ausserdem können der Ackerbau und die Landwirtschaft ganz schlecht weiterbetrieben werden, weil eben immer die Gefahr besteht, beim Umgraben auf so eine Mine zu stoßen. Es ist also ein ganz weitreichendes Problem.

Schwarze Katze: Du hattest ja auch gerade was von Minen und von Kindern erzählt. Wie sieht es denn mit Kindern und Schulen in Mosambik aus?
Da bin ich eigentlich schon in einem anderen Thema drin, was auch viel mit unseren Aktivitäten zu erlassjahr.de zusammenhängt - es ist, seitdem Mosambik verschuldet ist, wieder so, dass die Kinder Schulgeld bezahlen müssen und darum auch wieder weniger zur Schule geschickt werden, weil die Leute sich es einfach nicht leisten können.

Schwarze Katze: Wie viele Kinder gibt es denn in Mosambik und wie viele gehen davon zur Schule?
Es gibt ungefähr 3 Mio. schulpflichtige Kinder in Mosambik. Aber höchstens die Hälfte davon kann zur Schule gehen. Denn zum einen sind während des Krieges viele Schulen zerstört worden, zum anderen gibt es immer noch nicht genug Schulen und genug Lehrer. Und da viele Eltern das Schulgeld ihrer Kinder nicht bezahlen können oder höchstens für ein oder zwei Kinder, sind es meistens die Mädchen, die nicht zur Schule gehen können.

Schwarze Katze: Heute Abend geht's um Mosambik. Zu Gast im Studio sind zwei ehrenamtlich Aktive aus Altena. Beide engagieren sich beim Partnerschaftsprojekt "Ancuabe Mosambik e.V." Altena. Um was geht es eigentlich in diesem Projekt?
Wir unterstützen eine Schule im Norden Mosambiks, und zwar in Ancuabe. Das ist eine Grundschule zweiter Stufe - das heißt sechstes und siebtes Schuljahr. Und diese Schule unterstützen wir jetzt seit vielen Jahren.

Schwarze Katze: Die Vorgeschichte von eurem Verein ist ja eigentlich ungewöhnlich. Damit hat ein richtiger Pater was zu tun.
Ja, und zwar war das so: Der Partnerschaftsverein hat seine Wurzeln in der Friedensgruppe von Altena. Und damals sagte einer unserer Mitstreiter: "Zur Friedensarbeit gehört eigentlich auch die 3. Welt-Arbeit - da gibt es in Lennestadt ein Schulprojekt und die sind grad in Mosambik gewesen, sollen wir nicht die Lehrer einmal einladen?" Und das haben wir dann getan und die hatten schon sehr lange Kontakt nach Mosambik. Und das ist so gekommen: Pater Vicente Berenguer - ein spanischer Burgospater - hatte nach dem Befreiungskrieg festgestellt, dass es sehr viele Kinder in Mosambik gab, die ihre Eltern verloren hatten, und veröffentlichte daraufhin in Publikforen einen Hilferuf. Daraufhin hatte sich die Anne-Frank-Schule in Meggen gemeldet und die hatten dann mit Hilfe vieler Lennestädter, Eltern und Schüler das Geld zusammenbekommen, um eine Schule in Konesi zu bauen. Und die waren nun gerade von einem Besuch in Konesi zurückgekommen. Das hat uns natürlich sehr interessiert und vor allem begeistert da mitzumachen, denn damals war gerade die Entwicklungshilfe ins Gerede gekommen.

Viele Spenden gingen damals einen falschen Weg oder versickerten irgendwo und die Menschen waren sehr misstrauisch geworden. Aber hier war ein Projekt - hier konnte man richtig sehen, wo die Mittel hingingen. Da gibt es so eine kleine Geschichte und die hat uns damals sehr überzeugt. Es war nämlich so: Als die Lehrer und Schüler aus Konesi zurückkamen, da zeigten sie in der Schule ihre Dias und erzählten. Und auf einmal rief jemand aus der Menge: "Ach, guck mal! Der hat ja mein T-Shirt an!" Oder: "Sieh mal, die hat meinen Rock an!". Und das sind so kleine Dinge, die einem im Gedächtnis bleiben und die vor allen Dingen beweisen: Ja, da kommen die Dinge wirklich an, wo sie gebraucht werden.

Natürlich wurde nicht nur Kleidung dorthin geliefert. Das war eigentlich eher die Nebensache. Es wurden Nähmaschinen, es wurde Ackerwerkzeug geliefert, Baumaterial und so weiter. Und natürlich auch alles, was man für eine Schulküche braucht alles, was man für ein Internat braucht. Und daran haben wir uns zunächst beteiligt. Ja und dann - 1984 - machte Pater Vicente eine Europareise und besuchte unter anderem auch Altena. Und er sagte zu uns: "Ihr seid zwar eine kleine Gruppe, aber ihr könntet eigentlich ein eigenes Projekt haben." Ja, und dann kam ein paar Monate später ein Brief von ihm und er sagte: "In Ancuabe gibt es eine Schule - die braucht einfach alles. Und die Kinder sind dort so arm, die sitzen unter dem Baum und versuchen im Sand schreiben zu lernen. Kümmert euch doch mal um diese Schule." Zuerst hatten wir ein bisschen Angst, denn man übernimmt ja eine große Verantwortung und kann dann nicht einfach sagen: "Jetzt hab ich keine Lust mehr, jetzt mach ich nicht weiter." Wir haben es also gewagt und inzwischen tatsächlich geschafft, mit Hilfe von vielen Menschen aus Altena dort drei Schulhäuser zu bauen.

Schwarze Katze: Mit welchen Mitteln habt ihr dieses denn erreicht?
Die Mittel sind vielfältig. Es sind natürlich Spendengelder, die uns weiterhelfen, aber wir haben auch ganz viele Aktionen gemacht wie zum Beispiel regelmäßige Flohmärkte, was wir auch immer noch tun. Wir haben am Anfang unserer Unterstützung Container nach Mosambik geschickt und da waren eben die schon angesprochenen landwirtschaftlichen Gerätschaften und die Kleidung drin und auch Schulmaterial. Wir haben neben den Flohmärkten Weihnachtsmärkte gemacht und Ostermärkte, was sich ein bisschen ähnelt. Wir haben Benefizkonzerte veranstaltet mit teilweise deutschen Künstlern und teilweise auch afrikanischen Künstlern, weil wir afrikanische Künstler auch schon bei Festen bei uns zu Gast hatten. Wir haben dreimal eine wunderschöne Aktion gemacht, ein sogenanntes Brückenfest - das bietet sich in Altena an, weil wir eine mittlere Brücke mitten in der Stadt haben - und diese Brücke war dann symbolisch der Weg von Altena nach Ancuabe und den galt es irgendwo zu überwinden und das haben wir einmal mit Luftballons gemacht und einmal mit Fußabdrücken und einmal mit bunten Bändern. Ist also schon eine Menge, was sich der Verein da hat einfallen lassen.

Schwarze Katze: Gerade wurde erzählt, dass der Mosambik-Verein verschiedene Möglichkeiten hat, um an Spendengelder zu kommen, nämlich Container-Aktionen, Konzerte, Brückenfeste, Weihnachtsmärkte und Flohmärkte. Das Geld ist dann gesammelt und wo landet es dann?
Immer von Zeit zu Zeit, wenn wir wieder eine größere Menge zusammenhaben, dann schicken wir das Geld nach Mosambik. Das heißt, es geht an die Erziehungsdirektion der Provinz Cabo Delgado in Pemba. Wir arbeiten also mit dem Erziehungsministerium und mit der Erziehungsdirektion zusammen, damit eine größtmögliche Kontrolle auch über die Verwendung des Geldes stattfindet. Von dort aus geht es dann an die Schule und die Schule verwendet es immer zuerst für die nötigsten Sachen - also beispielsweise Schulmateriall oder Sportmaterial - das ist ein Dauerbrenner. Bälle und Sportmaterial fehlen immer, aber auch Schulmöbel sind dafür gekauft worden und wie gesagt diese drei Häuser gebaut - darf man sich jetzt nicht so großartig vorstellen, es sind drei ebenerdige Häuser mit jeweils zwei Räumen. Es sind also insgesamt fünf Klassenräume und ein Raum für Verwaltung, Lehrermaterial und so weiter. Ja, und Tatsache ist, dass die Schule wächst und wächst und inzwischen sind es 286 Kinder und die fünf Klassenräume reichen schon längst nicht mehr aus. Es müssen also wieder noch mehr werden.

Schwarze Katze: Die Situation der Kinder lässt sich ja eigentlich nicht mit der Situation von Schulkindern in Deutschland vergleichen, oder?
Nein, sicherlich nicht. Das fängt schon beim Schulweg an. Die Kinder kommen aus einem ziemlich weiten Umkreis zu dieser Schule und es ist keine Seltenheit, dass sie zwei Stunden zu Fuß gehen müssen, um erstmal in der Schule anzukommen. Und dann natürlich auch wieder zwei Stunden nach Hause. Sie sind nicht vor 3 oder 4 Uhr nachmittags zu Hause und dann gibt es zum ersten Mal etwas zu essen. Denn selbst wenn es in Cabo Delgado nicht so schwierig ist wie in manchen anderen Provinzen, ist es doch da auch schlimm genug und die Familien haben nicht so viel zur Verfügung, dass man wie bei uns drei Mahlzeiten am Tag essen könnte.

Schwarze Katze: Gilt der zwei- bis dreistündige Schulweg auch für die Lehrer?
Ja, selbstverständlich gilt das auch für die Lehrer. Und deswegen wäre es eigentlich gut, wenn wir auch bald noch Lehrerhäuser bauen könnten, damit die Lehrer in der Nähe der Schule wohnen können. Und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen würden sie dann nicht so viel Kraft für den Weg verbrauchen und wären an Ort und Stelle, um in der unterrichtsfreien Zeit auch ein bisschen Aufsicht über die Schule zu führen, denn es gibt immer wieder Gefahr durch Raub und Diebstahl, und zum anderen kommt auch noch dazu, wenn die Lehrer ein richtig festes, aus Stein gebautes Haus haben, in dem sie wohnen können und nicht so ein traditionelles, aus Holz, Lehm und Stroh, dann ist das für sie ein Anreiz, in einer so kleinen Stadt wie Ancuabe zu wohnen und sie ziehen nicht unbedingt in eine Großstadt. Ancuabe ist übrigens was die Bevölkerungszahl angeht ungefähr so groß wie Altena.

Schwarze Katze: Für die Lehrer wird also ein Schulhaus benötigt. Was wird sonst noch gebraucht?
Neben dem Schulhaus für die Lehrer und den weiteren Klassenräumen würde eine Bibliothek gebraucht und Sportmaterial - immer wieder Sportmaterial. Die sind dort sehr sportbegeistert und spielen zum Beispiel barfuß Fußball, was man sich hier auch nicht so vorstellen kann. Das sind so die kleineren Dinge.

Schwarze Katze: Im Vorgespräch habt ihr mir gesagt, dass in den letzten Jahren 70.000 US-Dollar zusammengekommen sind. Wie wird das denn nach Afrika gebracht? Gibt es denn Kuriere oder wird das überwiesen oder wie läuft das?
Das läuft ganz einfach auf dem Bankweg. Das wird auf ein Devisenkonto der Erziehungsdirektion in US-Dollar überwiesen. Insgesamt, seit Bestehen des Vereins, waren es schon über 70.000 Dollar. 10.000 Dollar sind im letzten November geschickt worden und erstmalig ist es unheimlich fix gegangen. Ein paar Tage später hatten wir nämlich eine E-Mail-Nachricht, dass das Geld in Pemba avisiert ist und inzwischen ist es tatsächlich schon angekommen. Wir haben also schon die Bestätigung. Wohingegen es manchmal sehr, sehr lange gedauert hat.

Schwarze Katze: In der Hauptschule Altena-Rahmede gibt's auch eine AG Afrika, die sich mit Afrika allgemein und auch mit Mosambik beschäftigt. Was findet da jetzt so konkret statt?
Oh, da muss ich erst mal scharf überlegen. Ja, das Ganze läuft unter dem Motto, das Projekt in der Bevölkerung verankern und Bewusstsein für die Probleme Mosambiks schaffen. Und da hatte ich halt versucht, gewissermaßen einen Fuß in die Schule zu bekommen, was aber nicht so richtig gelungen ist, aber wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich mit Kindern des sechsten Schuljahres eine Arbeitsgemeischaft mache und das läuft jetzt im zweiten Jahr und dort bekommen die Kinder erst einmal einen Eindruck allgemein über Afrika und dann wird exemplarisch an Mosambik ein bisschen Genaueres durchgenommen. Also beispielsweise, was wächst denn da? Was gibt es da für Tiere? Wie leben die Menschen dort? Und da haben wir beispielsweise jetzt gerade einen Brief aus Mosambik gelesen - das ist ein fiktiver Brief, den Schüler aus Mosambik geschrieben haben könnten - und die Mädchen (im Augenblick sind das nur Mädchen) - die waren ganz begeistert und wollen in der nächsten Stunde selbst einen Brief schreiben und dann alle ihre Fragen an die Kinder - die gleichaltrigen Kinder - in der Schule in Ancuabe loswerden.

Schwarze Katze: Ihr beteiligt euch ja auch in der Schuldenerlasskampagne.
Wir beteiligen uns am Bündnis erlassjahr.de. Das Bündnis erlassjahr.de ist eine Folgestruktur von erlassjahr.de. Das wird vielleicht in vielen Köpfen ein Begriff sein von der Kölner Kette im Jahr 1999, wo eine Unterschriftensammlung überreicht wurde. Also der Mosambik-Verein beteiligt sich am erlassjahr.de. Warum beteiligt er sich? Weil Mosambik selbst nämlich eins der höchstverschuldeten Länder der "3. Welt"-Länder ist und da ist es sinnvoll, darum zu kämpfen, dass hier Gerechtigkeit herrscht.

Schwarze Katze: Die überparteiliche und überkonfessionelle Kampagne erlassjahr.de strebt nach eigenen Aussagen eine faire Entschuldung für die Länder des Trikonts - der sogenannten "3. Welt" - an. Warum gibt es eigentlich Schulden?
Zu Anfang der 70er Jahre sind verstärkt Kredite in die "3. Welt"-Länder geflossen. Es ist wenig darauf geachtet worden, für welche Projekte diese Gelder genommen wurden, so ist es also passiert, dass die Gelder der Bevölkerung nicht zugute kamen. Es gibt viele Länder, wo die Bevölkerung nicht einmal weiß, dass die Regierung Schulden gemacht hat. Viele Gelder sind in Prestigeobjekte der Regierungschefs geflossen, wenn nicht gleich in die Taschen derselbigen oder auf ein Schweizer Konto.

Schwarze Katze: Viele Schulden, die damals von den Regierungen gemacht wurden, sind in Waffen und Militärprojekte geflossen. Haben auch deutsche Rüstungskonzerne und deutsche Banken daran verdient?
Mit Sicherheit. Und damit ist die Bevölkerung auch doppelt gestraft worden. Dadurch, dass von den Geldern Waffen und Kriegsgerätschaften gekauft wurden, hatte die Bevölkerung natürlich auch unter diesen Kriegszuständen zu leiden. Außerdem kamen ihnen diese Gelder anderweitig nicht zugute. Somit waren sie also doppelt bestraft.

Schwarze Katze: Ihr beteiligt euch auch beim mehrheitlich christlichen Bündnis erlassjahr.de. Was steht da so konkret an?
Das Hauptziel des Bündnisses erlassjahr.de ist eigentlich das Erlangen eines fairen und transparenten Schiedsverfahrens für die verschuldeten Länder. Warum das nötig ist: Ja, stellen sie sich einfach mal vor, ein Bundesbürger ist bei einer Bank oder Sparkasse verschuldet und kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Dies geht mit Sicherheit an ein ordentliches Gericht und dort wird entschieden, nachdem alle Parteien angehört worden sind. Dies ist bei den verschuldeten Ländern nicht der Fall. Verschuldungsdinge werden beim Weltwirtschaftsgipfel besprochen, sie werden im Londoner und Pariser Club besprochen und beim IWF und bei der Weltbank. Und dort sind eigentlich nur die Gläubigerländer vertreten.

Schuldnerländer werden im Höchstfall wie beim Pariser Club einmal angehört, aber entschieden wird im Grunde genommen nur vom Gläubiger. Das muss geändert werden und dafür setzt sich erlassjahr.de ein. Es gibt eine neue Aktion von erlassjahr.de - die startet am 16. März diesen Jahres - und es geht um Fairnessringe. Das sind Ringe, - die orientieren sich an den olympischen Ringen. - Die Ringe haben 6,5 cm Durchmesser - gibt es in fünf verschiedenen Farben, in den Farben der fünf Kontinente, und sie werden versehen mit einem Unterschriftsanhängerchen zum Fairnessring. Auf dem Unterschriftsanhänger wird verlangt: Ich verlange Fairness bei der Entschuldung der Länder der "3. Welt" - dazu gehören ein unparteiisches Verfahren, ein Anhörungsrecht für alle Betroffenen und die Sicherstellung des Existenzminimums. So ein Fairnessring kann von jedem Bundesbürger erstellt werden - die Ringe werden gesammelt auf entsprechenden Ständern und irgendwann werden sie auch mal an einer bestimmten Stelle bundesweit präsentiert. So dass es also auch optisch klar wird, wie groß die Akzeptanz dieser Aktion ist. Wie Bürger hinter diesen verschuldeten Ländern stehen.

Schwarze Katze: Wie wird die Kampagne denn lokal in Altena umgesetzt?
In Altena wird es am 16. März eine Weltmeile geben. Das sind nämlich mehrere Dinge, die dort passieren - grad an diesem Tag: - Zum einen ist eben der Start der erlassjahr-Aktion - die wird übrigens in Altena von unserem Bürgermeister Dr. Hollstein gestartet, der den ersten Ring unterschreiben will. Zum anderen hat das Partnerschaftsprojekt Ancuabe einen Flohmarkt in der Burg Holtzbrinck - in der Bürgerburg - und direkt gegenüber vor dem Eine-Welt-Laden findet die Misereor-Straßenaktion statt. Es ist gerade Misereor-Wochenende an diesem Wochenende und die Misereor-Aktion steht unter dem Thema "Frieden". Also ganz viele Dinge, die in Richtung Eine-Welt am 16. März passieren in Altena.

Schwarze Katze: Am 16. März beteiligt sich euer Verein aus Altena an der erlassjahr-Kampagne. Wie sieht das jetzt aus, wenn unsere Hörerinnen und Hörer aus dem Märkischen Kreis sich noch näher informieren möchten?
Ja, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen ist ganz neu im Netz die Homepage des Vereins zu finden unter www.altena-ancuabe.de. Und dann gibt es noch eine Homepage für Mosambik-Schulpartnerschaften - die heißt www.der-schlaue-hase.de - übrigens mit Bindestrich geschrieben. Und wer über Mosambik und über die Solidaritätsgruppen mehr wissen will und viele Informationen haben möchte, der kann auch mal die Seite des Koordinierungskreises Mosambik anklicken - die findet man unter www.kkmosambik.de.

Schwarze Katze: Warum heißt die Internetseite eigentlich www.der-schlaue-hase.de?
Ja, das hat was mit mosambikanischen Märchen zu tun. Oder vielleicht sollte ich sagen: mit afrikanischen Märchen. Denn in ganz vielen Märchen oder Fabeln in Afrika - nicht nur in Mosambik - kommt der Hase vor - als ein ganz schlaues und listiges Tier. Er spielt also die Rolle, die in unseren Märchen der Fuchs spielt.

Schwarze Katze: Gibt es denn zu diesem Thema Mosambik auch noch schriftliches Material - zum Beispiel eine Zeitschrift?
Oh ja, das haben wir ganz vergessen. Es gibt den Rundbrief des Koordinierungskreises Mosambik und da kann man ganz viel über das aktuelle Mosambik erfahren.

Schwarze Katze: Was macht der Koordinierungskreis?
Der Koordinierungskreis Mosambik ist ein Zusammenschluss, der Schulpartnerschaften und Solidaritätsgruppen für Mosambik in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und zwar gibt es in etwa 20 Schulpartnerschaften in der Bundesrepublik und es gibt natürlich noch andere Vereine, die zu Mosambik arbeiten wie beispielsweise der Werkhof Darmstadt oder das Welthaus Bielefeld, dann ist terre des hommes Mitglied und viele andere Vereine außerdem. Also sind da Nicht-Regierungs-Organisationen und Hilfsorganisationen angeschlossen. Der Koordinierungskreis Mosambik macht jährlich ein großes politisches Seminar, in dem aktuelle Probleme behandelt werden. Und außerdem gibt es Schulpartnerschaftsseminare und Kulturseminare.

Schwarze Katze: Gibt es denn noch andere Schulprojekte, die sich mit dem Thema Mosambik auseinandersetzen?
Ja, wie gesagt, es gibt in etwa 20 Schulpartnerschaften in Deutschland - in der Bundesrepublik. Und zwar sieht es da so aus, dass auf beiden Seiten eine Schule ist - also eine echte Partnerschaft zwischen zwei Schulen - z.B. in Dortmund, in Neuss, in Berlin verschiedene, in Potsdam, in Lennestadt hatte ich ja schon gesagt - die fallen mir jetzt im Augenblick alle gar nicht ein. Altena ist da eigentlich ein Sonderfall, weil wir auf unserer Seite ein Verein sind und nur auf mosambikanischer Seite eine Schule.

Schwarze Katze: Was möchtet ihr unseren Hörerinnen und Hörern zum Schluss mitteilen?
Ich würde noch gerne darauf kommen, dass es uns wichtig ist, dass es ein Partnerschaftsprojekt und kein Patenschaftsprojekt ist. Das heißt, es soll keine Einbahnstraße sein und es soll nicht so aussehen, als ob wir es hier in Deutschland sind, die den armen Menschen in Mosambik helfen, sondern wir wollen immer darauf hinweisen, dass auch die Menschen dort uns eine Menge zu geben haben. Wir haben auch deswegen immer versucht, auch kulturelle Projekte hier in Altena zu machen, das heißt, wir haben Ausstellungen von mosambikanischen Malern oder Holzschnitzern gemacht, wir haben Konzerte von mosambikanischen Musikern in Altena durchgeführt und von afrikanischen Musikern allgemein und wir haben sogar einmal eine Lesung mit einer mosambikanischen Schriftstellerin gehabt. Mosambik hat eine reiche Kultur, die uns auch etwas geben kann.

Schwarze Katze: Ein schönes Schlusswort.