Urankonferenz Dortmund 22.09.07
Atommüll verhindern, bevor er entsteht!

- Sauerland gegen Atomkraft beteiligt sich an Urankonferenz Schwarze Katze, 22.09.07
- Abschlusserklärung der Internationalen Urankonferenz in Dortmund
- Aufruf zur Teilnahme Sauerland gegen Atomkraft
- Urananreicherung und Urantransporte im Visier SOFA Münster 18.07.2007
- Einladung zur Internationalen Uran-Konferenz
- Fotos zur Internationalen Uran-Konferenz
- Urankonferenz: Der Widerstand vernetzt sich international! THTR Rundbrief Nr 117, November 07

Sauerland gegen Atomkraft beteiligt sich an Urankonfererenz
Schwarze Katze, 22.09.07

Sauerland gegen Atomkraft besuchte die Urankonferenz Dortmund, welche unter dem Motto Atommüll verhindern, bevor er entsteht! stand. Sie boten dazu eine Mitfahrgelegenheit an und konnten neue Kontakte in die Anti-Atom-Bewegung knüpfen. Es gab zwei intensive Gespräche mit ökologisch orientierten Anarchisten. Daneben gab es mit einem russischen Öko-Anarchisten auf englisch ein Gespräch. Die finnische Anti-Atom Aktivistin kam leider nicht, da ihr online erworbenes Flugticket nicht anerkannt wurde. Dafür war recht spannend wie eine Schwedin, eine Niederländerin, eine Französin und ein Russe über den antinuklearen Widerstand in ihren Ländern berichteten. Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Uran. Über 100 TeilnehmerInnen diskutierten über Urananreicherung, waffenfähiges Plutonium, internationale Zusammenarbeit, Widerstand und kommunale Eingriffsmöglichkeiten. Die Abschlusserklärung der Internationalen Urankonferenz in Dortmund wurde auch von Sauerland gegen Atomkraft mitunterzeichnet. Neben der Abschlussresolution werden die Ergebnisse der Konferenz in einem Buch - herausgegeben vom Verlag Graswurzelrevolution - veröffentlicht.

Die Sauerländer Aktiven nutzten den Aufenthalt in Dortmund zum Falafel-Essen beim Kartoffel Lord. Ebenso wie die Konferenz empfehlenswert - allerdings eher kulinarisch. Ham ham... Einer der Anti-Atomis brachte für das Schwarze Katze Archiv zwei Ausgaben der Gorleben Rundschau, etliche Flugis, tarantel, die Zeitschrift der Ökologischen Plattform der PDS, den Rundbrief THTR Hamm und Uraninfos mit.


Atommüll verhindern, bevor er entsteht!
Abschlusserklärung der Internationalen Urankonferenz in Dortmund

Am heutigen Samstag, 22. September, trafen sich mehr als 100 AtomkraftgegnerInnen aus Russland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Ungarn und Deutschland in Dortmund zu einer Internationalen Urankonferenz. Aufgerufen zu der Konferenz hatten rund 40 in- wie ausländische Gruppen und Organisationen. In Fachvorträgen und Workshops wurden zahlreiche Themenbereiche rund um die Urananreicherung lebhaft und engagiert diskutiert. In einer gemeinsamen Erklärung lehnten die Konferenz-TeilnehmerInnen die weitere Urannutzung generell ab: Sowohl der weltweite Uranabbau, die Weiterverarbeitung des Urans und der Einsatz für militärische Zwecke müsse aufgrund der großen Gefahren sofort beendet werden. Ausdrücklich forderten die TeilnehmerInnen die sofortige Stilllegung sämtlicher Urananreicherungsanlagen, da sie allein dem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sowie dem Bau von Atombomben dienen. In Deutschland betreibt der multinationale Urenco-Konzern in Gronau eine Urananreicherungsanlage.

Die heutige Urankonferenz ist ein wichtiger Beitrag zur grenzüberschreitenden Vernetzung der Anti-Atomkraft-Bewegung, um wirksam Widerstand gegen die internationale Atomindustrie leisten zu können. Der weltweit größte Urananreicherer, Urenco, ist rund um den Globus aktiv. Hinter der Uranindustrie stehen Regierungen und Großkonzerne wie EON, RWE und AREVA. Die Uranindustrie wird zudem massiv subventioniert. Der Uranabbau, die Anreicherung und die Lagerung des abgereicherten Uranmülls gefährden in vielen Ländern die Gesundheit der Bevölkerung sowie ihre natürlichen Lebensgrundlagen. Das ist völlig unakzeptabel.

Die Entsorgung des Uranmülls ist völlig ungeklärt. Bei der Urananreicherung entsteht massenhaft abgereichertes Uran als Abfall. Atommüll lässt sich aber nicht sicher entsorgen. Aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien wurde in den letzten 10 Jahren rund 100 000 t abgereichtes Uran nach Russland transportiert, wo der Uranmüll an drei Orten unter katastrophalen Bedingungen auf der offenen Wiese lagert. Dieses skrupellose Abschieben von hochgefährlichem Atommüll halten wir für kriminell. Wir fordern deshalb den sofortigen Stopp dieser Uranmülltransporte nach Russland.

Die TeilnehmerInnen bekräftigen, dass es keine Trennung zwischen der militärischen und der sogenannten zivilen Urannutzung gibt – weder im Iran, noch in Russland, Brasilien oder anderswo. Wir wollen, dass das Uran im Boden bleibt: Der Atommüll muss verhindert werden, bevor er entsteht. Wir setzen uns für die Nutzung regenerativer Energiequellen ein und rufen zum Widerstand gegen die Uranindustrie auf.

Konkret wurde auf der Urankonferenz vereinbart, die internationale Kooperation zwischen den verschiedenen Gruppen und Organisationen auszubauen. Der nächste Schritt dazu ist die "European Anti Nuclear Manifestation" vom 9.-11. November in Helsinki. Zudem rufen die TeilnehmerInnen dazu auf, gegen die Lieferungen von Natururan aus Pierrelatte in Südfrankreich nach Gronau/D und Almelo/NL gemeinsame Protestaktionen durchzuführen. Außerdem werden die Proteste gegen die Uranmülltransporte von Gronau und Almelo nach Russland intensiviert. 2008 wird erstmals ein gemeinsamer europäischer Aktionstag gegen die Uranindustrie durchgeführt.

Dortmund, den 22. September 2007

Diese Erklärung wird unterstützt von: Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Ecodefense Russland, Baikal Environmental Wave Irkutsk (Russland), Frauen gegen Atomkraft (Finnland), Folkkampanjen mot kärnkraft-kärnvapen (Schweden), Laka Amsterdam, Nederlands Euregionaal Nucleair Overleg (Niederlande), Réseau Sortir du nucléaire (Frankreich), Anti-Atom-Gruppe Bonn, Anti-Atom-Gruppe Heidelberg, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, BI "Kein Atommüll in Ahaus", BI Umweltschutz Hamm, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Contratom, Dortmunder Menschen gegen Atomanlagen, Greenpeace Deutschland, Kölner Gegenstrom gegen Atomanlagen, Lüneburger Initiative gegen Atomanlagen, Menschen gegen Atomanlagen Waltrop, Natur- und Umweltschutzverein Gronau, Ökologiereferat des ASTA der Fachhochschule Düsseldorf, Robin Wood, Sauerland gegen Atomkraft, Sofortiger Atomausstieg (SOFA) Münster, "Urangruppe Nirgendwo"

Weitere Infos: www.urantransport.de, www.wise-uranium.org, www.aku-gronau.de, www.sofa-ms.de, www.contratom.de


22.09.07 Urankonferenz in Dortmund
Aufruf zur Teilnahme auf der Webseite von
Sauerland gegen Atomkraft
Neben einleitenden Referaten und Berichten von unterschiedlichen Uranstandorten werden verschiedene Arbeitsgruppen angeboten. Geplant sind u.a. AGs "internationale Vernetzung", "Widerstand weiterentwickeln", "kommunale Eingriffsmöglichkeiten", "Abgereichertes Uran: Wertstoff oder Atommüll?", "militärische Dimension der Urananreicherung". Die Konferenz soll den wachsenden Uranwiderstand, der sich inzwischen quer durch Europa bis nach Sibirien organisiert, vernetzen und neue schlagkräftige Aktivitäten gegen die Urananreicherungsfirma Urenco vorbereiten. Aufruf und Programm gibt es als PDF (104 KB) zum ausdrucken und verteilen. Wer aus dem Sauerland Infos über Atomkraft oder zur Konferenz haben möchte, soll sich bei uns melden. Sauerland gegen Atomkraft ist Mitaufrufer zum Anti-Atom Treffen am 22.09.07 in Dortmund und freut sich über rege Beteiligung.


Internationale Urankonferenz in Dortmund

Atommüll verhindern bevor er entsteht! Gäste aus Russland, Schweden, Finnland, Niederlande und Frankreich werden an der Konferenz teilnehmen. Sie werden über ihren Widerstand vor Ort berichten und mit uns gemeinsam über die Intensivierung der internationalen Vernetzung in Sachen Atom-Widerstand beraten. Atommüll verhindern bevor er entsteht!

Unter diesem Motto werden im Plenum und in Arbeitsgruppen mit qualifizierten Referenten zum Thema Uranabbau, Urananreicherung, Urantransporte, Uranmüll usw. diskutieren.

Am Beginn der Atomspirale steht die Uranverarbeitung, am Ende steht die strahlende Zukunft und der Krieg mit Uran- und Atombomben. Das Thema ist national wie international hoch aktuell - in der Bevölkerung jedoch kaum oder nur begrenzt beachtet.

Samstag, 22.09.2007, 10 bis 19 Uhr, Reinoldinum, Schwanenwall 34, Dortmund

Sauerland gegen Atomkraft bietet eine Mitfahrgelegenheit an.


Urananreicherung und Urantransporte im Visier
SOFA Münster 18.07.2007

Auf einem Treffen in Münster einigten sich gestern Abend zahlreiche VertreterInnen nordrhein-westfälischer Anti-Atom-Inis darauf, am 22. September in Dortmund eine internationale Urankonferenz durchzuführen. Anwesend waren auch Delegierte der BI Lüchow-Dannenberg sowie der AG Schacht Konrad. Gerade angesichts der aktuellen Debatte um "Pannenreaktoren", Laufzeitverlängerungen und Endlagergenehmigungen erinnern die Anti-Atom-Inis daran, dass es darum geht, den Atommüll zu verhindern, bevor er entsteht. Deshalb soll weiterhin der Beginn der Atomspirale mit Urananreicherung und Urantransporten Arbeitsschwerpunkt sein. Erfreulicherweise hat die Arbeit gegen die Urantransporte und die Uranfirma Urenco in den letzten Monaten wieder deutlich an Schwung gewonnen. Erstmals konnten Urantransporte von Frankreich nach Gronau breit thematisiert werden. Gegen die Uranmülltransporte von Gronau nach Russland gibt es inzwischen eine intensive internationale Widerstandskooperation. Auch die deutschen Urenco-Anteilseigner EON und RWE gerieten stärker ins Visier.

Doch der Gegner ist ein harter Brocken. Urenco ist nach eigenen Angaben mit 23% Weltmarktanteil inzwischen Weltmarktführer. Geplant ist eine Verdopplung der Kapazitäten auf 15-18 000 t Urantrennarbeit. Dazu wird derzeit in New Mexico eine UAA in den USA gebaut. Die UAAs in Gronau und Almelo sollen drastisch ausgebaut werden. Heute wurde zudem bekannt, dass die Urenco offensichtlich nicht mehr ausschließt, in Gronau noch mehr Zentrifugen als die geplanten 4500 t zu installieren. Der Markthunger der Urenco ist ungebrochen.

Dagegen gilt es aktiv zu werden. Deshalb unterstützen die Initiativen die Einwendungskampagne gegen die Erweiterung der UAA Almelo (s. Indybericht von Montag sowie www.urantransport.de). Wir unterstützen zudem die Strafanzeigen der russischen Umweltorganisation Ecodefense gegen die Uranmülltransporte der Urenco. Und natürlich wird beim nächsten Urantransport von Gronau nach Russland wieder zu vielfältigen Aktionen entlang der Bahnstrecke kommen. Dazu ist Unterstützung von außen dringend willkommen!

Mit der internationalen Urankonferenz soll die Vernetzung im Urenco-Widerstand vorangetrieben werden und gleichzeitig für eine inhaltliche Unterfütterung unserer Aktivitäten gesorgt werden. Wir müssen auf vielen Ebenen aktiv sein, um der Urenco effektiv Sand ins Getriebe streuen zu können.

Denn: Vattenfall ist kein Einzeltäter, Krümmel und Brunsbüttel sind nicht die einzigen Sorgenkinder und Super-Gabriel ist nicht der Ober-Atomkraftgegner! Der Atomausstieg bleibt Handarbeit!

Nur ein stillgelegtes AKW ist ein gutes AKW. Nur eine stillgelegte UAA ist eine gute UAA!

Und natürlich unterstützen wir die Endlagerdemos in Gorleben am 1. September sowie in Salzgitter am 13. Oktober. Gemeinsam die Atomlobby zu Fall bringen!


Atommüll verhindern bevor er entsteht!
Einladung zur Internationalen Uran-Konferenz

am 22.9.2007 in Dortmund, 10 – 19 Uhr Evangelische Bildungsstätte Reinoldinum, Schwanenwall 34 (Nähe Hauptbahnhof!)

In vielen Ländern wird Uran abgebaut und sind Uranfabriken in Betrieb. Sie verursachen zahllose Urantransporte, die das Ganze verknüpfen. Der multinationale Urenco-Konzern beispielsweise ist einer der weltweiten Uran-Akteure und betreibt Urananreicherungsanlagen (UAA) in Capenhurst (GB),Almelo (NL) und in Gronau (D). Gleichzeitig hat Urenco die Finger Richtung USA, Frankreich und Russland ausgestreckt. Und das Zentrifugenverfahren, mit dem in den Urenco-Anlagen Uran für Atomkraftwerke vorbereitet wird, beschäftigt weltweit Regierungen und Militärs, da es inzwischen z. B. auch in Pakistan und im Iran vorhanden ist. Urananreicherungsanlagen strahlen und produzieren Atommüll, abgereichertes Uran kam und kommt in Uranwaffen zum Einsatz.

Anfang 2005 wurde trotz Protesten der Ausbau der UAA Gronau genehmigt - plus Neubau eines "Zwischen"lagers für rund 60.000 Tonnen Uranoxid. In den Niederlanden läuft ein Genehmigungsverfahren zum Ausbau der UAA Almelo. Zunehmend gerieten in den letzten Jahren Uranhexafluoridtransporte von Gronau nach Russland, und von Frankreich nach Gronau in den Mittelpunkt der Widerstandsaktivitäten. Urananreicherungsanlagen stilllegen – Urantransporte stoppen! Uran wird ständig für die Produktion von Brennelementen für Atomkraftwerke (auch für Atomwaffen) benötigt. Urantransporte finden hierfür regelmäßig statt. Nach bereits erfolgten Aktionen gegen diese Transporte wollen wir sie noch mehr in den Blickpunkt rücken und den Widerstand ausbauen wie bei Castor-Atommüll- Transporten. Dafür soll auch die inter-nationale Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Im Focus sind besonders die Uranhexafluoridtranporte von Pierrelatte (Frankreich) zur UAA Gronau und die Transporte mit abge-reichertem Uran von Gronau und Almelo nach Russland. Der Widerstand muß am Anfang der atomaren Brennstoffspirale beginnen: Uranabbau, Uranverarbeitung, Urantransporte.

Widerstand vernetzen und ausbauen

Mit welchen Gefahren sind Urananreicherungsanlagen und Urantransporte verbunden? Wie kann der Widerstand verstärkt werden? Wie können wir die (internationalen) Informations¬netze gegen Urenco und Urananreicherung verbessern? Wie kann der Widerstand gegen Urantransporte verstärkt werden...? Mit diesen und anderen Fragen wollen wir uns mit möglichst vielen interessierten Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegnern befassen.Wir wollen Informationen über strahlende Uranfabriken, Uranwaffen und Uranabbau zusammentragen, Fragen stellen - Antworten finden. Und wir wollen Zusammenhänge mit anderen Themen diskutieren, z. B.Atomstrom contra Klimaschutz und die Verknüpfung von Atomenergie und Atom- und Uranwaffen. Eingeladen zur Konferenz sind alle, die mit uns der Uran- und Atomindustrie das Handwerk legen wollen: Anti-Atomkraft-Initiativen, Umweltverbände, sozial engagierte Gruppen, AtomkraftgegnerInnen aus Gewerkschaften und Parteien, Friedens- und Eine-Welt-Initiativen, autonome Gruppen, ÄrztInnen, Studierende.

Stopp aller Urantransporte, Urananreicherungsanlagen und Uranmachenschaften weltweit!

Das Uran muß in der Erde bleiben – Atommüll verhindern, bevor er entsteht!


Fotos der Urankonferenz
AKU Gronau, 22.09.07

http://www.aku-gronau.de/images/20070922urankonf/20070922-erklaerung1.html


Urankonferenz: Der Widerstand vernetzt sich international!
THTR Rundbrief Nr 117, November 07

Mehr als 100 Umweltschützer aus Russland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Ungarn und Deutschland trafen sich am 22. September in Dortmund. Die hohe TeilnehmerInnenzahl und den konstruktiven Verlauf werten die Initiatoren zu Recht als vollen Erfolg und wird den Bürgerinitiativen weiteren Auftrieb geben. Die große bundesweite Beteiligung zeigt ebenfalls, dass inzwischen der Widerstand gegen die Urananreicherungsanlage in Gronau von vielen Gruppen mitgetragen wird.  In der Abschlusserklärung heisst es:

"Aufgerufen zu der Konferenz hatten rund 40 in- wie ausländische Gruppen und Organisationen. In Fachvorträgen und Workshops wurden zahlreiche Themenbereiche rund um die Urananreicherung lebhaft und engagiert diskutiert. In einer gemeinsamen Erklärung lehnten die Konferenz-TeilnehmerInnen die weitere Urannutzung generell ab: Sowohl der weltweite Uranabbau, die Weiterverarbeitung des Urans und der Einsatz für militärische Zwecke müsse aufgrund der großen Gefahren sofort beendet werden. Ausdrücklich forderten die TeilnehmerInnen die sofortige Stilllegung sämtlicher Urananreicherungsanlagen, da sie allein dem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sowie dem Bau von Atombomben dienen. In Deutschland betreibt der multinationale Urenco-Konzern in Gronau eine Urananreicherungsanlage.

Die heutige Urankonferenz ist ein wichtiger Beitrag zur grenzüberschreitenden Vernetzung der Anti-Atomkraft-Bewegung, um wirksam Widerstand gegen die internationale Atomindustrie leisten zu können. Der weltweit größte Urananreicherer, Urenco, ist rund um den Globus aktiv. Hinter der Uranindustrie stehen Regierungen und Großkonzerne wie EON, RWE und AREVA. Die Uranindustrie wird zudem massiv subventioniert. Der Uranabbau, die Anreicherung und die Lagerung des abgereicherten Uranmülls gefährden in vielen Ländern die Gesundheit der Bevölkerung sowie ihre natürlichen Lebensgrundlagen. Das ist völlig unakzeptabel."

Die BI Umweltschutz Hamm war mit mehreren Teilnehmern an dieser Konferenz vertreten, denn auch durch Hamm fährt vom südfranzösischen Pierrelatte aus ein Zug mit dem hochgefährlichen Uranhexafluorid nach Gronau. In einer der fünf Arbeitsgruppen wurde speziell dieser Transport genauer unter die Lupe genommen. An Hand verschiedener Beispiele wurde der bisherige Widerstand in mehreren Städten entlang der Transportstrecke dargestellt und Neuhinzugekommene aus anderen Städten informiert. Die Optimierung der Früherkennung der Urantransporte,  die Verbesserung der Koordination und der Pressearbeit wurden ausführlich erörtert, damit in Zukunft noch mehr Menschen vor den gefährlichen Transporten gewarnt werden können.
 
Besonders interessant waren die Berichte aus den Ländern Russland, Niederlande, Frankreich und Schweden, die allesamt übersetzt wurden. Durch die internationale Vernetzung unserer Aktivitäten sind schon jetzt wichtige Erfolge sichtbar: Das Medienecho ist sehr viel besser geworden als früher. Die Urantransporte über Rotterdam, die Ostsee nach Russland werden beispielsweise genau verfolgt und durch kritische Aktivitäten begleitet. In der Abschlusserklärung heißt es dazu:

"Aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien wurde in den letzten 10 Jahren rund 100 000 t abgereichtes Uran nach Russland transportiert, wo der Uranmüll an drei Orten unter katastrophalen Bedingungen auf der offenen Wiese lagert. Dieses skrupellose Abschieben von hochgefährlichem Atommüll halten wir für kriminell. Wir fordern deshalb den sofortigen Stopp dieser Uranmülltransporte nach Russland.

Die Entsorgung des Uranmülls ist völlig ungeklärt. Bei der Urananreicherung entsteht massenhaft abgereichertes Uran als Abfall. Atommüll lässt sich aber nicht sicher entsorgen.

Die TeilnehmerInnen bekräftigen, dass es keine Trennung zwischen der militärischen und der sogenannten zivilen Urannutzung gibt - weder im Iran, noch in Russland, Brasilien oder anderswo. Wir wollen, dass das Uran im Boden bleibt: Der Atommüll muss verhindert werden, bevor er entsteht. Wir setzen uns für die Nutzung regenerativer Energiequellen ein und rufen zum Widerstand gegen die Uranindustrie auf.

Konkret wurde auf der Urankonferenz vereinbart, die internationale Kooperation zwischen den verschiedenen Gruppen und Organisationen auszubauen. Der nächste Schritt dazu ist die "European Anti Nuclear Manifestation" vom 9.-11. November in Helsinki.  Zudem rufen die TeilnehmerInnen dazu auf, gegen die Lieferungen von Natururan aus Pierrelatte in Südfrankreich nach Gronau/D und Almelo/NL gemeinsame Protestaktionen durchzuführen. Außerdem werden die Proteste gegen die Uranmülltransporte von Gronau und Almelo nach Russland intensiviert. 2008 wird erstmals ein gemeinsamer europäischer Aktionstag gegen die Uranindustrie durchgeführt."

Das Presseecho zur Urankonferenz kann sich sehen lassen. TAZ, Junge Welt und Neues Deutschland berichteten. Aber auch die Ruhrnachrichten in Dortmund und die Westfälischen Nachrichten in Gronau. Die ausführlichste Berichterstattung erfolgte schon kurz vor der Konferenz in Hamm. Der Westfälischer Anzeiger mit dem Artikel "Der Strahlung auf der Spur" (18. 9. 2007) und fast eine ganze Seite mit zwei Fotos im auflagenstarken "Wochenblatt": "Feuerwehrstützpunkt West: "Widersinnig". Hammer Bürgerinitiative fährt zum Urankongress nach Dortmund".
 
Matthias Eickhoff gibt einen Überblick über die diesjährigen hoffnungsvollen Aktivitäten gegen die Uranindustrie: "Der Widerstand gegen die Urananreicherungsanlagen in Gronau und Almelo/NL sowie die damit verbundenen europaweiten Urantransporte wird internationaler und erreicht inzwischen die Konzernzentralen der deutschen Anteilseigner EON und RWE sowie die Bundesregierung. Das ist das wichtigste Fazit der engagierten Frühjahrskampagne von Anti-Atomkraft-Initiativen. Nach dem G8-Gipfel sollen die Proteste noch ausgeweitet werden.Die Anti-Atom-Bewegung verfolgt bei ihrem Kampf gegen die multinationale Urananreicherungsfirma Urenco mehrere Stränge, die sich gegenseitig ergänzen und seit einem Jahr neuen Schwung in den UAA-Widerstand gebracht haben. Niemand redet mehr davon, die UAA Gronau sei politisch durchgesetzt und Widerstand faktisch nicht mehr möglich, wie von mancher Seite 2005 nach der Erteilung der Ausbaugenehmigung durch die rot-grüne NRW-Landesregierung zu hören.
 
Stattdessen finden in immer mehr Ländern Aktionen gegen die Urantransporte statt.So blockierten am 12. Mai am deutsch-französischen Grenzbahnhof Perl rund 60 Leute symbolisch die Gleise, über welche die UAA Gronau aus dem südfranzösischen Pierrelatte mit "frischem" Natururan beliefert wird. Französische Initiativen sagten dabei zu, ein eigenes Netzwerk aufzubauen, um diese Urantransporte in Zukunft zu bekämpfen. Hintergrund: In Deutschland sind die Uranzüge aus Pierrelatte die erste Stufe der Atomspirale, deshalb das einleuchtende Motto der Aktion "Den Atommüll verhindern, bevor er entsteht."
 
Am anderen Ende von Europa protestierten erstmals auch Anti-Atomkraft-Initiativen aus Finnland gegen den Uranmüllexport nach Russland. Die Urenco hat in den letzten 12 Jahren schon mehr als 80 000 t abgereichertes Uran von Gronau, Almelo und Capenhurst/GB nach Russland zur Endlagerung gebracht. Am 9. Mai startete in Gronau erneut ein Megazug mit fast 1000 t abgereichertem Uran Richtung Russland. Dabei kam es in rund zehn Orten zwischen Gronau, Münster und Hengelo/NL zu Protesten an der Strecke. Mit rund 160 Leuten waren die Proteste deutlich stärker als in den letzten beiden Jahren. Prompt musste der Zug im Münsterland zweimal kurz stoppen und die Polizei organisierte einen Großeinsatz mit BGS-Hundertschaft und Hubschrauber. In den Niederlanden sorgte ein Zugunglück für mehrere Stunden Verspätung und im Rotterdamer Hafen protestierte erstmals Greenpeace Niederlande gegen die Abfahrt des Uranschiffs. Das Uranschiff MV Doggersbank fuhr dann rund um Dänemark und zwischen Kopenhagen und Malmö durch den Öresund, bevor es zwischen Helsinki und Tallinn nach St. Petersburg ging. In Russland hatten im sibirischen Angarsk bei Irkutsk, wo eine der russischen UAAs steht, schon Mitte April 1000 (!) Menschen u. a. gegen den Import von westeuropäischem Uranmüll demonstriert. Damit haben die Proteste dort bereits eine ganz eigene Dimension erreicht.

EON und RWE: Drahtzieher im Visier
Auch die Konzernzentralen von EON und RWE werden verstärkt mit den Urangeschäften ihrer Beteiligungsfirmen konfrontiert. Die Umweltorganisation urgewald organisierte auf den jeweiligen Aktionärsversammlungen im April und Mai kritische Auftritte von AtomkraftgegnerInnen aus mehreren europäischen Ländern, um die hemmungslose Atompolitik der Konzerne anzuprangern. Ein wichtiges Thema dabei: die Urananreicherung und der Uranmüllexport nach Russland. Dem EON-Vorstand war die Beantwortung der detaillierten Fragen sichtlich unangenehm, zumal der konzertierte Auftritt die harmonische Atmosphäre der Showtermine empfindlich störte.

Auch EON konnte oder wollte nicht bestätigen, was mit dem nach Russland gelieferten Uran dort wirklich passiert. Und es scheint den Managern auch egal zu sein - Hauptsache weg aus Gronau. Apropos: EONs Einstieg in den finnischen Atommarkt wurde Anfang Mai durch die intensiven Bemühungen der finnischen Anti-Atom-Bewegung gestoppt! Bei der Aktionärsversammlung von EON wurden die zunehmenden Verstrickungen mit der russischen Regierung deutlich. So ist EON-Vorstand Burckhard Bergmann nicht nur russischer Honorarkonsul, sondern auch gleichzeitig Direktoriumsmitglied bei Gazprom - zusammen mit mehreren russischen Regierungsmitgliedern! Da ist ein kurzer Draht zur russischen Regierung in Sachen Urangeschäfte natürlich garantiert.
 
Diese Fakten zeigen, wie wichtig eine inhaltlich orientierte Arbeit im Anti-Atom-Bereich ist. In Zusammenhang mit den EON/RWE-Aktionen sowie der internationalen Fachtagung, die von niederländischen Anti-Atom-Initiativen Ende April in Almelo organisiert wurde, konnten hier wesentliche Fortschritte erzielt werden. Doch noch liegt vieles im Dunkeln, zum Zurücklehnen gibt es keinen Anlass. Eines ist aber klar: Ohne die unermüdliche Arbeit der Aktiven wäre in der Öffentlichkeit nichts über die Urantransporte bekannt. Die gute Recherchearbeit wird inzwischen sogar von der Urenco widerwillig anerkannt. So bestätigte der Chef der Urenco Deutschland, Ohnemus, Anfang Mai erstmals vorab gegenüber dem AKU Gronau einen Urantransport mit den Worten: "Ja, er fährt. Das wisst ihr doch sowieso." aus: Graswurzelrevolution Nr. 320)