Gedanken zu Drogen, Konsum und Gesellschaft
Die Eule # 1, Nov. 95

Eine meiner Hauptmotivationen mit anderen Menschen EARTH FIRST! Zu machen, lag dem Wunsch zu Grunde, mehr was mit Leuten zu tun zu bekommen, die einfach auch von diesem dekadenten Leben hier völlig angekotzt sind. Genauer gesagt, auf diesen total größenwahnsinnigen Konsumterror, der das Bewußtsein nahezu ALLER Leute hier total prägt, keinen Bock mehr habe.

Leute, denen Natur und das Erleben draußen wirklich was bedeuten und überhaupt noch in der Lage sind, dieses sensibel und intensiv wahrnehmen zu können. Aber natürlich geht es nicht nur um das Erleben in der Natur, sondern darum, diesen Wahnsinn, in dem wir leben, überhaupt erstmal einigermaßen zu schnallen und nicht alles so hinzunehmen, wie es einem hier ins Maul gestopft wird. Was mich eigentlich immer mir am meisten genervt hat, war diese feiste Konsummentlität der Leute, die eigentlich auch immer groß verkünden, wie sehr sie das hier doch alles ankotzt, wie stumpf mensch doch alle Normalbürger findet und wie übel, übel hier doch alle nur auf ihren fetten Wanst schauen. Da wird rumgetönt, wie scheiße doch dieser gierige Kapitalismus ist, aber letztendlich genießt mensch die damit verbundenen Privilegien und Möglichkeiten in vollen Zügen.

Es wird genau dieselbe Ex- und Hopp-Mentalität an den Tag gelegt: kaufen, verbrauchen, weg damit, wir hammīs ja. Was morgen schon wieder auf dem Müll liegt, ist im Moment gerade noch gut genug, um die Zeit totzuschlagen. Das muss dann gar nicht mal unbedingt das neueste Dies und Das sein, allein die Einstellung wird gewchselt wie das Hemd. Heute nī bisschen Hardcore, morgen īn bisschen Hip Hop und dann viellecith mal Techno, hier und da dann auch mal nī bisschen Tierrechte, egal, Hauptsache es rappelt im hohlen Karton.

Nichts hat mehr Wert, mensch lebt am Puls der Zeit und der rast bekanntlich schnell, denn die Konkurrenz hinter den Kulissen ist groß, Trends für die Maximierung der Kaukraft existenziell.

Es lässt sich Geld machen und wenn mensch zwar auch selbst nichts vom großen Kuchen abbekommt, so hat mensch dennoch das Gefühl einfach dabei zu sein, wo was abgeht. Das macht Spaß und verschafft den Schein von Profil, was will mensch mehr in einer Welt, wo die Helden von heute die Arschlöcher von morgen sind, und was könnte wichtiger sein als Sex und Musik, wie es Extrabreit mal so schön formulierten. Es zählt allein der Kick.

Ich muss sagen, dass ich Menschen selten so degeneriert, stumpf und apathisch erlebt habe, wie in den letzten Jahren. War in den 80er Jahren noch eher die Verachtung des bürgerlichen Wohlstandes angesagt, Mut zur Armut und Bescheidenheit, Mut zu Hässlichkeit und Rebellion = Punk, läuten die dumpfbackigen Spaßgenerationen der 90er nun eine Art der Apokalypse ein, wie ich es mir so kaum vorgestellt hätte.

Statt Ausdruck von Wut, Frustration oder Hass wir die Musik aufgespielt, deren Titel im übelsten Sinne des Wortes Programm steht, Techno. Mensch stampft sich in völlige Schwerelosigkeit, von Party zu Party, kauft wieder teure Klamotten, richtet sich ein, vor allen Dingen sauber und gut drauf muss mensch sein.

Alles wird verheizt, nix hat mehr Wert über einen Tag hinaus, Hauptsache Fun, Hauptsache bequem. Wie gesagt, ich rede hier nicht nur von einer völlig degenerierten und kaputten Konsumjugend, sondern von Leuten, die sich gelegentlich mal etwas anders vorkamen, weil sie ihr Lebensgefühl eigentlich mal über soīn kritisches Verhältnis zu dieser Gesellschaft hier definiert haben.

Aber das tun ja heute viele und heißen tut das trotzdem nichts, denn ein bisschen Rebellion in den eigenen vier Wänden macht sich immer gut.

Das Schlimme ist nicht, dass mensch sich ahlt hier und da mal irgendeinen völlig sinnlosen überflüssigen Scheiß kauft, frisst und sich daran ergötzt, das Schlimme ist die Wirkung, die diese alltägliche Konsumsucht auf dich hat. Die daraus resultierende Leere und Stumpfheit und diese permanente Berieselung, die Menschen brauchen, um sich selbst bei Laune zu halten und ertragen zu können in ihrem allgegenwärtigen Vakuum, die gegenseitig so verelendet sind, dass sie mit sich selbst nichts mehr anzufangen wissen.

Drogen kann mensch dabei heute ohnehin mit dem ganzen Konsumscheiß auf eine Stufe stellen. Es sind schon längst nicht mehr die gesellschaftlichen Randgruppen, wie Punks oder Hippies, die das Monopol auf freien Drogenkonsum für sich reklamieren. Der Konsum von Drogen ist mittlerweile einer der normalsten Widersprüche, den die Gesellschaft aus sich produziert. Drogen haben Einzug gehalten in das alltägliche Leben, wo immer mensch auch hinschaut. Sie sind nichts Abstraktes mehr, sondern überall anzutreffende Realität.

Während die Junkies auf der Straße als Verlierer gelten, (die das Spiel einfach nicht gerafft haben), obwohl sie genauso leer und sinnlos vor sich hin vegetieren wie die allermeisten Menschen hier auch, sind Sachen wie Exstasy, Speed, Acid oder Dope im jugendlichen Volxbewusstsein fest verankert. Funktion ist das Zauberwort, es gilt natürlich die Arbeits- und Kaufkraft zu erhalten.

Gerade dieses Verhältnis von Drogen und Konsumabhängigkeit und die damit verbundene Mentalität war für mich eigentlich immer ein und dasselbe und īne Sache, die mich schon lange ankotzt, besonders wie schon gesagt, bei Leuten, die sich eigentlich mal ein anderes, ein beswussteres Leben auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Das ist im Prinzip heute wie vor Jahren das Gleiche und deswegen will ich hier nochmal eine Kolumne zu Papier bringen, die ich schon vor einigen Jahren mal für mein Fanzine geschrieben habe.

Rethorisch zwar selten umständlich formuliert und alles etwas durcheinander, trifft sie für mich im Wesentlichen aber immer noch den Nagel auf den Kopf.

Für mich geht es nicht darum, einfach Drogen abzulehnen, sondern um den Versuch, ein eigenes, ein wirkliches, ein bewusstes Leben zu leben. So wie ich das über so viele Jahre hinweg bei so vielen Leuten und zum Teil auch bei mir selbst mitgekriegt habe, ist "Drogenkonsum" oft eine Ursache, die diesen Versuch schon im Ansatz verhindert (bzw. dafür sorgt, dass sich Ansätze nicht weiterentwickeln). Dabei ist es schon fast egal, ob harte oder weiche Drogen, ob illegale oder legale Drogen. Viel wesentlicher ist das Verhältnis, das mensch zum Konsum ganz allgemein entwickelt und damit eben auch zu den vermeintlich leichten Drogen wie Nikotin, Alk, Dope, Kaffee.... bis hin zu Fresse, Fernsehen etc. Staatliche Kampagnen wie "Stop the madness" oder "Keine Macht den Drogen" sind einfach nur ultralächerlich und letztlich unheimlich verlogen. Den Schergen von Politik, Justiz und Bullen geht es nur oberflächlich aus humanitären Gründen darum, Dealer und Drogensucht zu bekämpfen.

Vielmehr wird ein Bereich kriminalisiert und verfolgt, den SIE für illegal erklärt haben, der illegal ist, weil Menschen aufgrund der Wirkung bzw. durch den Grad der Abhängigkeit bestimmter Drogen in dieser bzw. für diese Gesellschaft nicht mehr funktionell sind.

Das Problem der Sucht, und dass Menschen überhaupt auf Rauschmittel abfahren, tut dabei überhaupt nix zur Sache. Ganz im Gegenteil, die abstumpfende und apathisch machende Wirkung von Alkohol war lange Zeit (und ist es wohl auch noch) willkommenes Stillhaltemittel für die Arbeiterklasse. Niemand ist bisher auf die Idee gekommen, die Volksdroge Nr.1, den Alkohol, ernsthaft zu verbieten. Hier treten die körperlichen Verfallserscheinungen ja meist auch erst allmählich offen auf. (Es sei denn mensch legt es wirklich drauf an, was ja auch immer noch zig tausend Leute eher machen als sich Heroin zu ballern). Meist auch dann, wenn die Hochphase des Arbeitslebens eh vorbei ist, so mit 40 - 50 Jahren. Ansonsten ist Alksucht wohl genauso totsicher wie alle anderen Drogen auch.

Ganz anders sieht das mit der Verfolgung ohnehin in den Bereichen aus, die für gesellschaftlich-staatliche Ordnung unbequem sind. Hier lässt mensch Dealer nur allzu gern unbehelligt, wie in Kreuzberg, St. Pauli, Karoviertel (Hamburg) oder überhaupt im umfeld "alternativer" Lebensversuche bzw. Widerstandsbewegungen. (Nicht, dass ich hier mal wieder nach der staatlichen Exekutive rufe, ich will damit nur diese verlogene gesellschaftliche Doppelmoral deutlich machen). Gelegentlich wird hier sogar noch etwas nachgeholfen, wie z.B. anfang der 80er Jahre im AJZ Zürich oder anderen besetzten Projekten.

Das Zusammendrängen vom Drogensumpf und die damit verbundene Kriminalität in ganz bestimmte Stadtteile hat doch imerhin den Nebeneffekt, dass Zusammenhänge oder soziale Strukturen zerstört werden, die unbequem sind. Auf diese Weise lässt mensch gezielt Stadtteile verkommen, um sozial "niedrigere" Bevölkerungsschichten in die Randbereiche zu vertreiebn zu Gunsten von Spekulanten und Baulöwen, die dann freie Bahn haben für Umstrukturierung und Investitionen. Die Problematik ist ja bekannt.

Wie die meisten dieser 2. PUNKgeneration hab auch ich Erfahrungen mit allerlei "Dichtmachern" gemacht. Mit der Zeit habe ich mich aber immer mehr von derlei entfernt. Nicht, weil ichīs mir von heute auf morgen verboten hätte, weil Drogen ja so böse und ungesund sind, sondern weil ich gelernt habe, mit mir und dem, was ich will, besser umzugehen. Heute würde ich diese Art Antidrogeneinstellung vielleicht schon als Prinzip sehen, sonst würde ich dies hier ja nicht schreiben, aber das, worauf ich hinaus will, richtet sich einfach darauf, nicht unterzugehen im alltäglichen Sumpf von Manipulation, Abstumpfung und Entmündigung. Ein wirkliches Gefühl für die Realität zu bekommen, um Dinge um uns herum in ihrem Sinn und Wahnsinn besser verstehen zu können. Natürlich ist das Ganze auch īne Frage, was mensch überhaupt will. Ich glaube, für diejenigen, denen eh alles egal ist oder die in dieser Welt mehr oder weniger in apathischer Schwerelosigkeit leben, ist dies zu lesen relativ uninterssant. Demjenigen kann ichīs nur nachempfinden, sich möglichst oft die Rübe zuzuknallen............

In nahezu jeden von uns ist über die Jahre hinweg so viel Scheiße an Normen, Denkmustern und Verhaltensweisen hineingebuttert worden, schlicht gesagt, wird mensch eben durch seine "Umwelt" voll geprägt. Wie das dann immer so ist, kommen dann noch immer wieder īne ganze Reihe von Leuten dahinter, dass vieles von dem, was um uns herum abläuft, alles andere als ok ist und schon überhaupt nichts mit Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Menschlichkeit zu tun hat.

Aber der größte Teil dieser Minderheitscheint sich oft schon einfach mit einem gewissen "Anderssein" oder (und) mit dem Sympathisieren mit einer gewissen "Weltanschauung" zufrieden zu geben.

Aber die Art, mit Dingen umzugehen, auf Sachen einzugehen, bleibt meist den normalen gesellschaftlichen Verhaltensweisen recht ähnlich. Mensch will denn doch alles immer möglichst bequem und locker erreichen und bitteschön selbst in seiner/ihrer eigenen Selbstzufriedenheit nicht gestört werden. So ist es kein Wunder, dass gesellschaftliche Herrschafts- und Machtverhältnisse weiterreproduziert werden, wie patriachale Verhaltensweisen von Männern, die Ausbeutung von Natur und Tier oder eben wie schon zu Genüge angesprochen, das dekadente Konsumverhalten vieler Menschen.

Es ist einfach unheimlich schwer, auch wen einer/m viele dieser ganzen Probleme bewusst sind, die ganzen in uns hineingedrückten Normen, Klischees und Denkmuster "aufzuarbeiten", und sich ständig neu zu hinterfragen. Es ist ein permanenter Kampf mit sich selbst, wo mensch oft genug auf die Schnauze fällt. Aber es geht ja auch nicht darum, fehlerfrei zu werden, sondern dass einem dies alles überhaupt erst einmal bewusst wird.

Diese ganzen Verhaltensweisen stecken alle mehr oder weniger in uns drin, und damit auch die ganze Manipulation unserer lebensfeindlichen Umwelt. Sie entfremden uns immer mehr von uns selbst, unseren wirklichen menschlichen Bedürfnissen, von unseren natürlichen Lebensgrundlagen, von einem bewussten Leben ganz allgemein.

Ich habe oft das Gefühl, dass viele Leute immer noch dieses Feindbilddenken im Kopf haben, vom bösen Bullen und Kapitalisten-System, die uns alle ja sofürchterlich unterdrücken. Was jetzt natürlich auch nicht heißen soll, dass es keine Überwachung und Unterdrückung von unbequemen "Minderheiten" gibt. Ganz im Gegenteil, nur stützen tut sich dieses System darauf wohl kaum, und ich glaub fast, dass es auch wirklich nicht nötig ist, in diesem Lande unbequeme Menschen zu verfolgen, da die Möglichkeiten, Kritik und Widerstand zu vereinnahmen, lahmzulegen, zu verleugnen oder einfach nur lächerlich zu machen, optimal sind.

Aber was jegliche "Kritik" am meisten schluckt , ist eigentlich diese immense Manipulation der Massen durch Abhängigkeiten und die ständig weiterschreitende Entmündigung jeder/s Einzelnen, die dieses wahnsinnige Perpetuum Mobile System funktionieren lässt.

Jeder von uns hat ja sozusagen relativ viele Freiräume, aber eben nur relativ, da das Leben in diesem Gesellschaftssystem und der damit verbundene enorm hohe Lebenastandard einfach zu viele "Kompromisse" erfordert, um diese theoretischen Freiheiten bzw. eine wirklich eigene Identität überhaupt leben zu können.

Dieser unendliche Sumpf von "Kompromissen" und die damit verbundenen Normen, Verhaltensweisen, Anpassungen und Abhängigkeiten machen den Menschen nicht mehr nur manipulierbar, sondern vereinnahmen sein Bewusstsein, sein ganzes Denken so, dass sich daraus auch eine gewisse Eigendynamik entwickelt.

Während sich beim einen durch stumpfe Normarbeit alles im Kopf nur noch auf eine ganz bestimmte Richtung beschränkt und limitiert, nutzt der andere seinen erweiterten Horizont, um in dieser Maschine voranzukommen, letztlich aber beide mit der vor der Nase baumelnden Karotte, sprich mit dem Ziel, das Leben mit materiellen Dingen zu versüßen. Diese ganzen Mechanismen von "Kompromissen" und die sich daraus ergebenden Abhängigkeiten entstehen längst nicht mehr nur aus existentiellen Bedürfnissen, die das "Überleben" sichern (damit wäre relativ schnell gedient), sondern vielmehr durch diesen über alle Maßen hohen Lebensstandard, was wohl die meisten Konsumbedürfnisse einschließt.

Gerade sie sind der ganze Dreh- und Angelpunkt, sozusagen das Öl, das die Maschine laufen lässt in diesem Kreis von Menschen, Arbeit und Kapital. Sie sind es, die den Menschen dazu bringen, über seine Verhältnisse zu leben, ihn dazu aber auch direkt zwingen und ihn gleichzeitig in diesem Brot-und-Spiele-System eingeordnet halten. Diese Befriedigung, die sich fast ausschließlich nur auf materiellen Wohlstand aufbaut, wird durch ständig neue Trends, Normen und Moden in Bewegung gehalten. Viele dieser Bedürfnisse werden bei den Menschen regelrecht geschaffen. Dabei ist diese Art und Weise schon derart dreist und geschickt geworden, dass Produkte nicht mehr nur über Qualität oder "Überredungskunst" vermittelt werden, sondern über bestimmte mit dem Produkt verbundene Gefühle, Verhaltensweisen oder Klischees einsuggeriert werden.

Speziell eben Gefühle und Bilder, die auf die geistigen Hohlräume" abzielen, also das, was vielen Menschen fehlt, aber im Grunde doch alle gerne hätten bzw. wären. Wie Z. B. Selbstsicherheit, Individualität,Kommunikation, Unabhängigkeit, Freiheit (angepasstes Spießertum ist sowieso längst out!!). Derbstes Beispiel ist da wohl diese Nescaféwerbung mit "Ich bin so frei , leb mein Leben ganz spontan, steh zu meinem Stil...". Das Vermarkten und Ausbeuten so wertvoller Gefühle und Augenblicke, die durch Konsum niemals erlebbar werden. Vorgetäuscht, eingeredet, verbraucht. Verbraucht und vielleicht für die meisten auch gar nicht wieder erlebbar, weil sich ja irgendwie diese Atrappen auch auf die realen Emotionenreproduzieren und so Stück für Stück auch vereinfachen und aushöhlen. Genormt und zum Klischee verpackt. "Man kennt das ja alles schon"-Effekt: Schublade auf und zu, nix geht mehr... Gibt es eine bessere Methode, Bedürfnisse von Menschen zu kanalisieren, vorzutäuschen und abzufüttern?!

Dieser Verkauf von Pseudo-Emotionen zieht sich durch unheimlich viele Konsum- und Lebensbereiche. Freie Fahrt für freie Bürger .... auch die dämlichen Videoklips der Rock-Popbranche funktionieren nach dem selben Schema, da mensch eben auch hier eine bestimmte Stimmung erzeugen will, egal ob sentimental oder partymäßig.....alles Bullshit.

Letztlich haben diese ganzen Konsumabläufe alle gemein, dass der Mensch permanentabgefüllt und vollgestopft wird. Eventuelle geistige Unausgeglichenheit, geistige Leere, Mangel an Selbstfindung, mit sich selbst nicht klar kommen, mit sich selbst nix anfangen können, Frust, Langeweile, also insgesamt das Problem von mangelnder oder fehlender Identität und Individualität wegdrängen bzw. dieses natürlich auch gar nicht erst entstehen lassen. Das Leben und Mitmachen in diesen Verhältnissen von Überbevölkerung, lebensfeindlicher Umwelt, ständigem Funktionieren, ständigen Kompromissen, fehlender Identität und stupider Normarbeit überhaupt erst ertragbar machen. Den Menschen aber auch gleichzeitig hindern, sich und sein Leben zu hinterfragen, sich mit seinen Problemen wirklich auseinanderzusetzen, einewirkliche Beziehung zum Leben zu entwickeln, mit all den Erlebnissen und Erfahrungen, die einen eigenen Charakter formen und das Leben einmalig machen.

Wo der/die Einzelne mit diesen ganzen Widersprüchen und Mängeln selbst kaum fertig wird, wo kaum jemand überhaupt in diesen Verhältnissen seiner Funktionsrolle gerecht werden könnte, wurde ein Anspruch "geschaffen" der Menschen zu der Ausgeglichenheit verhilft, die die meisten selbständig nicht mehr verwirklichen können.

Der Anspruch auf Unterhaltung.

Es gilt sich abzulenken, von sich selber, von der Arbeit, vom Alltag. Um sein Leben selbst verarbeiten zu können fehlt die Zeit, die Ruhe, die Geduld und vor allen Dingen das Gefühl.

So flüchten viele Menschen, die mit diesem Leben nicht klarkommen, (den meisten ist das aber nicht einmal bewusst) in die verrücktesten Exzesse, greifen nach noch so schwachsinnigen Strohhalmen, die ein gewisses Pseudoselbstwertgefühl zu vermitteln scheinen. Gerade da wo Menschen sich und ihre Arbeitskraft Tag für Tag verkaufen und alle "menschlichen" Bedürfnisse nur noch mit der individuellen Kaufkraft gekoppelt sind, verlieren Menschen nicht nur die Fähigkeit ihr Leben selbst zu gestalten, sondern sie verlieren dabei auch ihre Identität. Es entsteht ein Teufeslskreislauf, denn die Folgen sind noch mehr Konsum und noch absurdere Formen der Selbstfindung.

Wenn mensch sich anschaut, wie Menschen hier versuchen, irgendeinen persönlichen Halt zu finden, führt einem das die ganze erbärmliche Palette dieser Gesellschaft vor Augen. Und diese ist weit gespannt, während sich Menschen mit ausreichendem Geldbeutel inden entlegensten Orten dieser Welt mal selbst erfahren können, oder hierzulandeanderweitig Geld ausgeben, um sich selbst zu finden, haben andere das weniger nötig, weil sie ihre Identität gleich über ihre Brieftasche, ein Auto oder vielleicht auchüber ihr Deutsch sein definieren. Wer eben nicht so gut begütert ist, findet sich vielleicht bei irgendwelchen Hauereien im Fußballstadion wieder oder beim S-Bahn surfen.

Wie gesagt die Palette ist riesig, dazu kommt natürlich auch noch der patriachale Einfluss, dass in erster Linie Männer sich und anderen auf Biegen und Brechen beweisen müssen, was sie doch alles drauf haben.

Viele finden irgendwas, woran sie sich klammern können in ihrem sinnlosen und entleerten Dasein, viele auch nicht. So vegetiert mensch vor sich hin, macht allerhand Scheiß, der einem von sich selbst ablenkt und das Gefühl gibt an irgendetwas teilzuhaben, wo was abgeht, was Spaß macht oder was auch immer den Menschen dabei vordergründig befriedigt. Neben der unendlichen Auswahl an überflüssigem Schwachsinn, der den Menschen hier im Kapitalismus als existenziell und lebenswert verkauft wird, gibt es für diejenigen, die entweder schon alles haben, so überfüttert sind daß eh alles nur langweilig ist, oder für sich im alltäglichen Wust von Problemen und Widersprüchen schlicht kein Ausweg mehr finden, eine ganz besondere Spezialität: Drogen. In Gesellschaften wie dieser, wo das ständige Konsumieren derartig das Leben und somit auch das Bewusstsein der Menschen bestimmt, sind "Drogen" nichts abstraktes oder Realitätsfremdes, nur weil sie verboten sind, sondern 'ne absolut zwangsläufige Erscheinung.

Drogenkonsum wird durch Konsumieren gelernt, und der Junkie ist eigentlich nur die letzte Konsequenz von dem, was die Menschenmassen hier Tag für Tag leben. Es soll ja immer noch Idioten geben, die in Sachen "Drogen" - speziell Marihuana - an die alte 68er Lüge der Bewusstseinserweiterung glauben. Auf so'n Schwachsinn sollte ich eigentlich gar nicht mehr eingehen.... Durch den Konsum spezieller Drogen erlebe ich zwar einen bestimmten Augenblick sehr intensiv, aber es ist eigentlich kein wirklich eigenes Erleben, sondern nur ein relativ unreflektierter Konsum. Das bewusste Erleben von Augenblicken und Situationen hat ja zur Folge, daß du dich damit wirklich auch auseinandersetzt, je mehr Erlebtes, je mehr Eindrücke, desto mehr entwickelt sich das Denken und die Persönlichkeit.

Besonders die Kindheit ist in der Beziehung wohl die wichtigste Phase der menschlichen Entwicklung. Gerade die Entwicklung als solche bestimmt ja das Bewusstsein und hilft uns so durch das Erfahrene den Denkhorizont zu erweitern und so auch auf Dinge besser zu reagieren, auf Probleme und Konflikte zuzugehen und sich mit diesen auseinanderzusetzen, was einen dann wiederum an Erfahrungen reicher macht.

Gleichzeitig hilft es eben auch, Dinge wirklich bewusster zu erleben und zu begreifen, besser zu sich selbst zu kommen, sich und seine Stärken und Schwächen kennenzulernen, mit sich selber eben einfach besser klarzukommen, eine innere Stärke zu entwickeln, um letztendlich mit sich und anderen Menschen und all dem, was dazwischen liegt, besser umgehen zu können. Dies sollte eigentlich der Kern sein von einem selbstbestimmten, herrschaftsfreien und verantwortungsbewussten Leben.

Die echte Auseinandersetzung ohne Drogen ist viel intensiver, als man sie so direkt spürt, aber im Rausch ist das ganz genau andersrum. Das "Erlebnis" im Rausch wird im Bewusstsein nicht richtig verarbeitet. Es ist eine Art Lüge, eine Täuschung, eine Illusion, und vor allen Dingen ein verlogenes mit sich selbst zufrieden sein in einem gegenseitigen Aneinandervorbeileben.

Ob das nun z.B. Alk ist, der die Wahrnehmung total einengt, oder "Drogen", die eine Illusion der Offenheit schaffen, bleibt gleich. Beide stellen den Menschen ruhig, reduzieren seine Wahrnehmung, verstümmeln das Feingefühl, machen immer orientierungsloser, hilfloser, belangloser und apathischer.

Diese ganzen Konsumabläufe, legal oder illegal, im Supermarkt oder beim Dealer, vorm Fernsehen oder in der Spielhalle, oder dass bloße gegenseitige Konsumieren von Menschen auf sexueller Ebene - verschaffen kurzzeitige Befriedigungen.

Aber letztlich sind es nur miese Ersatzbefriedigungen, die egoistische Umgehensweisen fördern in einem Gesellschftssystem, wo wirkliche menschliche Bedürfnisse, überhaupt Menschlichkeit, auf Kosten des Funktionierens der Menschen in dieser lebensfeindlichen Umwelt immer mehr verloren gehen, wie: Verständnis, gegenseitige Achtung (Respekt), Selbsterfahrung, Selbstbewußtsein, Verantwortung, Kommunikation, Kreativität. Selbstbestimmung...

Und gerade auch bei so vielen Leuten aus den eigenen Reihen, die angeblich ja so einen gewissen Anspruch von einem bewussteren, selbstbestimmten Leben BLABLABLA mit sich herumtragen, ist das Verhältnis zu Konsum, zu Drogen und z.B. auch gerade eben zum Rauchen irgendwie symptomatisch dafür, wie tief mensch noch in dieser ganzen gesellschaftlichen Scheiße drinsteckt - wie schwer es ist, sich von diesem auch nur ansatzweise zu befreien, und leider eben auch oft dafür, wie oberflächlich das Gesülz vieler Leute doch ist.

Das Beschissenste dabei ist auch noch, daß mensch dich für intolerant erklärt wenn du z.B. einfach keinen Bock drauf hast, dir von RaucherInnen die Luft klauen zu lassen. Nikotinsucht steht eigentlich so ein bisschen exemplarisch für diese hirnkastrierte Konsumgesellschaft, denn gerade beim Rauchen vereinigen sich so viele negative Eigenschaften, werden die Zusammenhänge des Konsums so offensichtlich deutlich.

Angefangen beim Egoismus, Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nichtrauchern, 3.Welt- und Tieversuchsproblematik, immenser staatlicher Steuerprofit, Entfremdung von natürlichen Lebensbedingungen, Umweltverschmutzung, Beruhigungs- und Stillhaltemittel, und natürlich auch die Geschichten, wie viele Leute zum Rauchen gekommen sind, wie Mitläuferei - cool sein wollen - individuelle Schwäche.

Mensch lernt möglichst früh sich an Abhängigkeiten zu gewöhnen, mit noch so sinnlosem, schwachsinnigem und letztendlich selbstzerstörendem Konsum. So einfach und so dreist kann mensch Menschen manipulieren.

Aber gerade eben auch diese zwischenmenschliche Ebene, die dabei abläuft ist dazu nochmal n'Kapitel für sich. Es ist so ätzend, mich mit jemandem zu unterhalten, der mir gleichzeitig seinen Qualm in die Fresse bläst, ja mir regelrecht die Luft zum Atmen klaut.

Aber es ist überhaupt schon irgendwie völlig störend, wenn jemand ständig gleichzeitig mit īner Kippe beschäftigt ist. Zumindest ich empfinde Rauchen oft als 'ne totale Barriere zwischen mir und meinem Gegenüber, überhaupt zwischen Menschen.

Wie sich viele Leute förmlich an ihrer Kippe festhalten, sich irgendwie dahinter verstecken, irgendwas in der Hand zu haben, womit mensch rumhantieren kann, um immer möglichst "locker" zu sein, sich nicht zu sehr auf den anderen Menschen gegenüber einzulassen, wenn einem mal nix mehr zu labern einfällt, oder um dem anderen nicht einfach so in die Augen schauen zu müssen. Diese Angst, sich, zu entblößen, Angst und Unsicherheit zu zeigen. Mensch will sich locker, cool und selbstbewusst zeigen, über den Dingen stehen, ganz wie die Menschen auf der Plakatwerbung.

Aber am derbsten und typischsten am Rauchen ist dieses ständige immer irgendwas in sich Hineinstopfen. Diese permanente Abfütterung und Berieselung. Das bezieht sich natürlich genau so auf alle anderen Konsumklamotten wie fressen, saufen, fernsehen, Musik(!?) usw... Nie mal einfach zur Ruhe kommen und mit sich selbst allein sein.

Und das ist, glaub ich, der wesentliche PUNKT an diesen ganzen Konaumabläufen. Viele Menschen sind überhaupt nicht mehr fähig, mit sich selber klarzukommen, in sich hineinzuschauen und ebenso auch Erlebnisse wirklich intensiv zu fühlen, zu spüren und zu verarbeiten. Das hindert wohl viele Menschen überhaupt daran, über ihren Schatten zu springen und die alltäglichen Dimensionen dieser völlig wahnsinnigen Lebensverhältnisse zu sehen und zu verstehen.

Viele merken es gar nicht mehr, geschweige denn, dass sie sich tiefergehende Gedanken machen. So hängt mensch apathisch in dieser alltäglichen Maschine und ergibt sich der vorgesehenen Bestimmung, Rädchen im Getriebe zu sein, arbeiten um zu produzieren und leben, um selbiges wieder zu konsumieren.

Wenn schon, denn schon versucht mensch sich dann eben das "Leben" so angenehm wie möglich zu machen mit den vielen kleinen Freuden, die das Leben dann schöner und "lebenswerter" machen sollen.

Wie hieß das doch bei Karstadt: "gut einkaufen, schöner leben".

Es sind auch gerade diese kleinen "Freuden", sich mal hier und da etwas zu kaufen, anzutrinken, anzuheitern, die dann für diese verlogene Ausgeglichenkeit bzw. Zufriedenheit sorgen.

Aber für mich heißt ein selbstbestimmtes Leben, doch gerade aus eigener Kraft heraus Probleme, Unzufriedenheiten und Unausgeglichenheit zu bewältigen und dabei auch eine eigene Stärke zu entwickeln. Sicher, das ist nicht immer leicht und gelingt auch nicht immer, aber wenn ich diesen Anspruch nicht mal habe, dann kann ich mich doch gleich aufgeben.

Es geht doch gerade darum, diese Lebensstrukturen, die sich auf Selbstunterdrückung, Ausbeutung und vor allen Dingen auf Abhängigkeiten aufbauen, zu "zerstören", indem wir sie als erstes in uns selbst überwinden. Lebensstrukturen, die eine intensive Bewusstseinsveränderung nicht zulassen und so die Menschen in ihrem Handeln und Denken einschränken, manipulieren und letztendlich kontrollieren.

Es ist wichtig für uns, neue Lebensformen zu finden, die uns helfen, mit Problemen und Konflikten, mit uns selber besser klarzukommen.

Die Wurzeln dieser ganzen Körper- und Lebensentfremdung liegen tief, angefangen bei der ganzen Erziehung durch Eltern, Umgebung und in den Erziehungslagern wie Schule, Lehre oder Wehrdienst. Sie sind die Brutstätten, in denen die ganzen Normen, Denkmuster, "Werte" und Lebensformen anerzogen werden. Wo die Menschen geformt werden für diese Ellenbogengesellschaft. So dass vielen Menschen nicht einmal bewußt wird, wobei sie alles mitmachen und wofür sie alles (mit)verantwortlich sind (eben Konsum auf Kosten der 3.Welt, Ausbeutung von Natur, Tier und Mensch ... ), sich selbst und andere unterdrücken in Form von Neid, Anpassung, mehr und besser sein wollen als andere, falsche Selbstwertgefühle, die sich in Sieg und Niederlage ausdrücken, materieller statt "geistiger Wohlstand".

Und gerade "Drogen" und Konsum tragen einen gewaltigen Teil dazu bei, dass "wir" uns von dieser ganzen Scheiße nicht befreien, uns statt dessen Freiheit nur vorlügen. Drogenkonsum entsteht bei vielen als Folge von dieser naturentfremdeten Gesellschaft, ist aber letztlich selbst die totale Entfremdung von all dem, lenkt ab, betäubt, stumpft ab, lähmt und zerstört.