Montagsdemo in Iserlohn
Fotos und Bericht: Schwarze Katze, September 05

Seit dem Herbst 2003 protestieren Montags Arbeitslose und Beschäftigte gemeinsam gegen Sozialraub. Durch die Agenda 2010 und Hartz IV wird die Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm vorangetrieben. Hartz IV ist Armut per Gesetz lautet einer der Slogans. Über das Aufbegehren gegen die Verarmungspolitik der Herrschenden läuft im Kino die sehenswerte Filmdokumentation Neue Wut.

Die soziale Unsicherheit nimmt zu. Auch im sauerländischen Iserlohn gehen Arbeitslose und mit ihnen solidarische Noch-Arbeit-Habende auf die Strasse. Arbeitslose verkleiden sich als Zwangsarbeiter, die für 1 Euro in der Stunde schuften müssen. Sie schwingen den Besen. Den Bauarbeiterhelm ziert das Wort "Sklave". Auf der Vorderseite der orangenen Schutzweste ist mit Edding auf silbernen Klebeband folgender Schriftzug zu sehen: "Arbeitsdienst 1 Euro-Jobber". Rückenaufschrift: Bis zu 500 Euro bekommt der "Ausbilder" für mich - jeden Monat. Reaktion der PassantInnen: Grösstenteils positiv. In dem auf der Montagsdemo am 05.09.05 in Iserlohn verteilten Flugblatt wird auf die 1 Euro Zwangsarbeits-Problematik näher eingegangen:

Ein Job ohne Zukunft!
"Arbeitsgelegenheiten gegen Mehraufwandsentschädigung"
Chance für Langzeitarbeitslose?

Sie werden als der wichtigste Beitrag zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und als "Wundermittel" gegen Arbeitslosigkeit propagiert.
Die Wirklichkeit sieht anders aus!
Ab Januar 2005 müssen ALG II-Bezieher jede "zumutbare" Arbeitsgelegenheit annehmen, sonst droht ihnen die Kürzung der Bezüge. Wer sich weigert bekommt die ALG II-Leistung um 30 % für drei Monate im Wiederholungsfall um 60 % gekürzt. Die Zwangsverpflichteten erhalten neben ihrem ALG II eine Mehraufwandsentschädigung von 1 pro Stunde. Sie arbeiten 30 Stunden in der Woche für sechs bis neun Monate, 58-jährige dürfen länger, nämlich 3 Jahre.

Verpflichtung zur Zwangsarbeit

  • keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse
  • ohne Arbeitsvertrag - Rechte und Bezahlung bei Krankheit
  • Jobs in denen nur die Arbeitsschutzgesetze Anwendung finden
  • in der Arbeitslosenstatistik werden sie nicht mehr mitgezählt!

    Wir sind gegen "1-Euro Jobs"

  • weil sie Arbeit ohne Lohn bedeuten, mit der Altersarmut vorprogrammiert wird
  • weil sie zur Durchsetzung von Niedriglöhnen benutz werden
  • weil sie reguläre tariflich abgesicherte Arbeitsplätze vernichten
  • weil keine Beschäftigung bzw. Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt erfolgt
  • und weil wir genug haben von leeren Versprechungen der Politik, die uns eine weitere Maßnahme zum Lohndumping und Sozialabbau als "Chance" und als "Wundermittel" gegen die Arbeitslosigkeit verkaufen wollen!

    Weg mit Hartz IV!
    Das ist das gemeinsame Ziel der Montagsdemonstrationen, die jeden Montag in vielen Städten in Nordrhein-Westfalen und der ganzen Bundesrepublik stattfinden. Hartz IV betrifft auch und gerade diejenigen, die noch einen regulären Job haben: Wenn 5 Millionen Menschen gezwungen werden, sich für einen Euro in der Stunde zu verkaufen, gehen die Löhne und Gehälter der regulär Beschäftigten in den freien Fall über! Viele werden entlassen und durch Ein-Euro-Jobber ersetzt. Diese Entwicklung ist schon in vollem Gange!
    Wir lehnen diese Art von Arbeitsgelegenheiten ab und unterstützen alle, die sich dagegen wehren wollen.
    Das Ziel des ausdauernden Widerstand ist die Aufklärung der Bevölkerung zu Hartz IV und zur Agenda 2010 entgegen der ständigen Heuchelei von Politikern und Presse.
    Denn die Reichen werden immer reicher! Nicht umsonst zählt Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt bei dem Prokopfeinkommen der Bevölkerung. In vielen Städten wird weiter gekämpft, bis die neoliberalen Strategien der Deutschen Einheitspartei SPDCDUCSUFDPGRÜNE vom Tisch sind und eine sozial vertretbare Politik Wirklichkeit wird.

    - Weg mit Agenda 2010 -
    - Weg mit Hartz IV -
    - Eigenständige Lebensführung für alle statt Verarmungsprogramm -