Ökoterror - radikale Umweltschützer rüsten auf
Schwarze Katze Filmbesprechung, 95, NDR, 29

In diesem bürgerlichen Film werden ökologische Organisationen und AktivistInnen, deren Initiative vor staatlichen Gesetzen geht, mit Terroristen gleichgesetzt. Dabei stellt sich das staatliche Fernsehen auf die Seite von dogmatisch in der Legalität agierenden Verbänden und der Exekutive. Zu Beginn wird der gewaltfreie Protest von Greenpeace gegen den Ölmulti Shell den Anschlägen von Autonomen auf Tankstellen dieser Marke gegenübergestellt.

Videomaterial der "Animal Liberation Front" (ALF) zeigt die Befreiung von Tieren aus Versuchslabors, außerdem werden Attentate einzelner auf Versuchstiergroßhändler in England auf die gesamte Tierrechtsszene projeziert. Aus Sicht der ALF ist der Einsatz von Gewalt dadurch gerechtfertigt, daß nur noch ein intelligent geführter Krieg die Erde retten kann.

Direkte Aktionen in Form von Demos, Blockaden auf Vancouver Island, an dessen Küstenstreifen alle 20 Sekunden ein Hektar Urwald abgeholzt wird, werden von den Berichtenden auf die Sabotage von "Earth First!" (EF!) reduziert, wobei der friedliche Protest nur als ein Ablenkungsmanöver gewertet wird. Paul Watson, Initiator eigenständiger Überwachung des Walfangverbots, welcher aus Greenpeace ausgeschlossen wurde, wird als Ökopirat bezeichnet. Bilder zeigen den Angriff eines norwegischen Schiffes auf die Orcaforce.

Es wird zwar eingeräumt, daß die Menschheit ihre Lebensgrundlage und die allen anderen Lebens konstant zerstört, dennoch wird die Forderung von TierbefreierInnen nach Freiheit für Tiere als zu radikal eingestuft. Das folgende Portrait der Tierrechtsorganisation PeTa "entlarvt" den Schein der Gewaltlosigkeit, da der Verband Videomaterial der ALF von Tierbefreiungen besitzt.

1980 werden 31 Anschläge auf Laboreinrichtungen in Amerika der autonomen Tierbefreierszene angelastet, wobei die staatliche Sichtweise aufgegriffen wird, die diese Aktionen unter anderem als Tierdiebstahl bezeichnet. Als konkretes Beispiel wird eine Tierbefreiung in der Michigan State University präsentiert, bei der angeblich 30 Jahre Forschungsarbeit zerstört und zwei Dutzend Frettchen entwendet wurden.

Im zweiten Teil setzt sich der Film mit der deutschen Tierrechtsszene auseinander, die in ihrer "Radikalität" der amerikanischen gleichgesetzt wird und anhand dreier Extrem-Beispiele "belegt" wird. In dem ersten Beispiel werden zwei Jäger Opfer einer Manipulation an Hochsitzen, die willkürlich dem autonomen Einsatz für Tiere zugeordnet wird, wobei verschwiegen wird, daß dieser nichts mit Aktionen zu tun hat, die bewußt auf die Verletzung von Menschen abzielen. Am Ende wird die Aufopferung für Tiere oder die Erde als in Fanatismus ausufernder Ökoterror hingestellt, als Perversion des Denkens.