A-Camp 2001 - Camp Zeitung: Kapitalismus kaputtkuscheln

Einige persönliche Erfahrungen zur AG Beziehungen am Do. Vormittag:

Liebevoll wurden die AK TeilnehmerInnen „Kaputtkuschler“ bezeichnet - sehr konstruktiv und nett waren die Debatten. Aufgrund des für mich unerwartet regen Interesses gab es zwischendurch drei (!) Gesprächskreise, die sich ständig selbst organisierten. In dem Arbeitskreis häuften sich zwei Aspekte: viele Menschen aus politischen Zusammenhängen fehlt dort oft die Nähe und Wärme, nach der sie sich sehen. Orgakram erdrückt das Zwischenmenschliche etc. Als - teilweise - sehr zwanghaft wurde auch die Atmosphäre in linken Kreisen beschrieben: Weil wir ja alle so emanzipiert und anders sind, geben nur wenige zu, dass sie Probleme mit Nähe, Berührungen und Zärtlichkeit haben. Mit der Forderung, das Politische nicht vom Privaten zu trennen, Nähe in libertären Gruppen ganz selbstverständlich einzubinden, konnten sich viele identifizieren.

Daneben aüsserten viele den Wunsch, Alternativen zu „normalen“ (Zweier-)Beziehungskisten zu leben. Der Witz daran war, dass wir alle davon ausgingen, mit unseren Sehnsüchten allein zu stehen - das Gegenteil scheint der Fall zu sein! Die Gespräche, bei denen ich dabei war, waren sehr offen und persönlich, und gar nicht abstrakt (kein „mensch könnte ja“). So wurden auch die Probleme thematisisiert, mit denen wir zu kämpfen haben: schwer fällt es, die Utopien eines freien L(i)ebens umzusetzen, weil wir alle mehr oder minder in Eifersuchtsschienen und Rollenmustern drin stecken. Trotz allem konnten Menschen auch über schöne, hoffnungsvolle Erfahrungen berichten, z.B. den Bruch mit homophoben Verhalten.

Für mich hat all das gezeigt, dass viele Menschen sich mit Beziehunsmustern auseinandersetzen und da was anderes leben wollen - toll! Wichtig ist, solche Debatten in Gruppen vor Ort weiter zu führen - und vielleicht beim nächsten anarchistischen Sommercamp. Also los: Schafft selbstbestimme Kuschelecken in jeder Stadt!

espi von der Schwarzen Katze

Schön wäre, wenn die Auseinandersetzungen vor Ort wirklich weiter geführt werden. Die Texte bleiben erhalten, ebenso die Möglichkeit, den AK bei beliebiger Gelegenheit zu wiederholen! Meldet euch einfach bei der Schwarzen Katze.

weiter:   Gratis Essen
zurück:   Wie organisieren wir Anarchie herrschaftsfrei?
Start
A-Camp 2001
Aufruf 2002
Kontakt
Linx