ReDesign den D-Land-Lappen

Time to ReDesign den D-Land-Lappen
Libertäre Presse Agentur, 12.06.10

Du leidest unter der erneuten inflationären Flaggomania? Kein Grund zum
Flaggelanten zu werden! Es gibt einfache D-raphien.

Der D-Land-Lappen besteht bekanntlich aus drei Streifen, von denen die
meisten von uns einen davon höchst überflüssig finden. Was liegt näher als
ihn sauber abzutrennen. Übrig bleibt sozusagen eine (südamerikanische)
Revolutionsfahne in schwarz-rot. Wie schön!

Praktischerweise hätten wir aber gerne eine schwarzrot-diagonale Fahne.
Aber das geht nur mit den ganz großen Lappen: da kann mensch nämlich nach
Abtrennen von Senf auch noch mal die Hälfte vertikal durchtrennen, dann
die restlichen beiden Streifen auseinanderschneiden, diese noch einmal
sauber diagonal teilen und zu Paaren schwarzrot vernähen. Etwas Arbeit,
zugegeben, aber dann hat mensch 4 nette kleinere schwarzrot-diagonale
Fähnchen. Senf bleibt übrig (als Minitranspi? Nur nix verschwenden!).

Einfacher und vor allem für kleine Formate tauglicher ist es, den
abgetrennten Streifen zu halbieren, zwei nette AntiAtomSonnen (am besten
mittels vorbereiteter Pappschablone) daraus auszuschneiden und diese
beidseitig mittig auf den schwarzroten Lappen zu nähen. Auch dies
erfordert etwas Geduld. Für Faule gibt es auch die Lösung zum Textilkleber
zu greifen, den es hie und da billig gibt – der ist auch beim Annähen
hilfreich, oder ein wasserlöslicher Klebestift als Aufnähhilfe. Für das
Aufmalen des Sonnengesichts einfach einen wasserfesten schwarzen
Filzschreiber nehmen. Fertig!

So schlägt mensch gleich zwei Motten mit einem Klapps: der lästige
Länder-Lumpen ist entsorgt und eine schöne Sympathiebekundung für
Sommer-Sonne-Freiheit ist entstanden – die ist sowieso
weltmeisterverdächtiger als alles Andere! Und immer wieder recyclebar. Und
nach der Tretball-WM wird der Rohstoff dazu noch billiger…

Es soll sogar Leute geben, die das Umdekorieren so schnell drauf haben,
daß sie sogar heimliche und unheimliche Lappen-Tauschaktionen
durchführen…

Nen guten Schnitt wünscht allen tapferen Scheiderlein LPA


Leider kein Einzelfall: Nationalistisches Symbol während der Fussball-WM
Foto: Schwarze Katze, Juni 2010

Eine Anleitung zum Anderssein

Das Buch „Radikal Mutig – Meine Anleitung zum Anderssein“ ist ein besonderes. Es ist kein lebensfernes Politgeschwafel, keine weltfremde Theorie, sondern ein flüssig gut geschriebener Text, der gerne von Anfang bis Ende gelesen wird. Wenn die Autorin Hanna Poddig von ihren Aktionen schreibt, regt das an, selber was zu machen. Ob Genfeld besetzen, NATO-Transport blockieren oder das Brandenburger Tor entern, alles wird genau beschrieben. Aber nicht nur die Freunde des Aktionismus, sondern auch diejenigen, die Aktionen gerne theoretisch auf ihren Sinn und ihre Vermittelbarkeit reflektieren, kommen nicht zu kurz. Autonome, die mit zwei Zivicops nicht fertigwerden, kriegen ebenso ihr veganes Fett ab wie Atommafia und linke Gutmenschen, für die sich ihr politisches Engagement im Bioladenkauf und dummen Sprüchen erschöpft.

Im ganz normalen Leben bieten sich viele Möglichkeiten anders zu leben. Hanna Poddig zeigt einige davon auf: Ökostrom nutzen, kritischer Aktionär werden, weniger am Konsumkreislauf teilnehmen, anders einkaufen und vieles mehr. Das Buch ist eine Fundgrube für AktivistInnen und diejenigen, die welche werden möchten.

Hanna Poddig: Radikal mutig – meine Anleitung zum Anderssein. Rotbuch Verlag, Berlin 2009, ISBN: 978-3-86789-085-4, 14,90 Euro

Die Schwarze Katze Buchbesprechung wird in Kürze fortgesetzt, bitte um etwas Geduld…